Zeitenwende: Die Wende hat unser Leben völlig verändert!

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Die Wende hat unser Leben völlig verändert!

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Ersteller und Datum

Erstellt von GeZeiten Redaktion am 18.06.2009
Zuletzt bearbeitet von Sabrina Böhmer am 12.10.2009

Autor dieses Beitrags

Hildegard Martina Köhler

Haupttext

Für mich war die Zeit der Wende ziemlich aufregend und hat unser ganzes Leben verändert

Mein Mann als Marineoffizier durfte nicht  in die DDR einreisen. Es war die Zeit des kalten Krieges. Für mich wäre eine Einreise zu riskant gewesen.

Meine Familie stammt aus dem östlichen Sachsen, der Oberlausitz. Es ist das Dreiländereck – Polen Tschechien, Deutschland. Seit Generationen waren wir Fabrikanten und besaßen eine große Färberei und Weberei.

In der Oberlausitz und Schlesien war die Textilindustrie, besonders Frottier-Damast –Velveton vertreten.

Wir waren die Reichen, besonders von Gerhard Hauptmann angegriffen. (Die Weber). Allerdings gaben solche Fabriken einem ganzen Dorf Arbeit.

1945 gehörten wir wieder zu den politischen Feinden und unser Besitz wurde von den Sowjets enteignet. Schlimmer noch!!! Mein Vater wurde als Kapitalist und somit Staatsfeind  bei Nacht und Nebel abgeholt und nach Bautzen gebracht. Dort wurden Menschen körperlich und seelisch gequält ohne Urteil! Adelige, Geistliche, Kapitalisten und Intellektuelle passten nicht in das kommunistische Gedankengut. Diese Zeit der Inhaftierungen existierten in der DDR nicht und wurden erst nach der Wende bekannt.

Mich verfolgt dieses Drama von Kindheit an, weil es immer bedrohlich war, von KZ's  zu hören und ich als Kind nicht wußte, was da mit den Menschen geschieht. Überleben konnten nur die, die gesund waren oder mit Bestechung der Wärter etwas mehr Nahrung für die Gefangenen erkauften.

Mein Vater verbrachte die beste Zeit seiner Jahre in Bautzen, Mühlberg, Buchenwald und Waldheim. Es waren insgesamt 8 Jahre und er wurde als menschliches Wrack entlassen,

Mich hat Frau Merkels und Obamas Besuch in Buchenwald endgültig dazu  bewogen, die Geschichte aufzuschreiben. Seine Worte „Es ist nicht einfach, auf diese Weise in die Vergangenheit zurückzuschauen“ haben mich motiviert.

Nach der Wende haben wir sofort unsere Entschädigungsansprüche geltend gemacht und ich reiste viel mit meinem Mann und Freundinnen in den Osten.

Bei den diversen Fahrten kamen wir auch durch das Erzgebirge. Mich faszinierte die traditionelle Handwerkskunst, die ich aus meiner Kindheit kannte. Da ich zu diesem Zeitpunkt berufsunfähig war, suchte ich nach einer neuen Aufgabe und mir kam die Idee in unserem Haus in Norddeutschland ein Geschäft für erzgebirgische Volkskunst zu eröffnen. Mein Mann konnte sich pensionieren lassen, weil es zu viele Soldaten gab – und von da an zählten wir zu den Wendegewinnlern. Das Geschäft war eine Marktlücke, weil viele ihre Kindheit kaufen konnten, denn die war ja unserer Generation genommen worden.

Unsere Kunden gehören zu den 30er und 40er Jahrgängen. Ich schaffe es mit 65 Jahren darüber zu berichten. Die hiesige Geschäftswelt amüsierte sich über dieses exotische Geschäft. Ich wünschte ihr unsere Bilanzen.

Durch diesen Aufschwung lernten wir viele neue Freunde kennen. Wir konnten erzählen über unser Leben in Ost und West. Wir haben sehr positive Erlebnisse, nur in einem Amt für Entschädigung wurde ich nach Stasimanier behandelt. Von dieser Zeit an ist mein Handy aktiv gewesen, um jederzeit meinen Anwalt befragen zu können.

Ich wollte vor 20 Jahren nicht in meine Stasiakte einsehen, weil alles seelisch aufrüttelt und ich dafür keine Kraft hatte.

Heute habe ich den nötigen Abstand,weil ich mit meinem Geschäft so viele tolle Gespräche mit Menschen führen konnte, die alle ihre eigenen Dramen erzählen konnten. Es ist Spaß und Therapie gleichzeitig.

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Erzgebirgische Volkskunst

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Kränkung, Neubeginn, Wendezeit

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