Zeitenwende: Kriegsgräberfürsorge

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Kriegsgräberfürsorge

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Erstellt von Sabrina Böhmer am 31.08.2016
Zuletzt bearbeitet am 31.08.2016

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Renate Vonthien

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1963, ich war 19 Jahre alt, erfuhr ich von einer Freundin, die die Kreisberufsschule in Pinneberg besuchte, dass die Deutsche Kriegsgräber-fürsorge noch Jugendliche für leichte Arbeiten in Frankreich sucht. Sie selbst hatte sich schon angemeldet und auch ich war sofort Feuerund Flamme für dieses Projekt. Über Frankreich hatte ich während meiner Gymnasialzeit schon viel erfahren und auch die französischeSprache war mir durch den dortigen Unterricht nicht fremd. Außerdem war es mir ein Anliegen, dort mitzumachen, da mein Vater im2. Weltkrieg als vermißt galt und sich hier eine Gelegenheit bot, ein wenig zum Frieden beizutragen. Aber natürlich war auch Abenteuer-lust dabei, denn Auslandsreisen waren zu der damaligen Zeit, zumal für junge Menschen, noch nicht üblich. Außerdem war die finanzielleBeteiligung gering, die Bundeswehr sorgte mit riesigen Zelten für Unterkunft und außerdem mit der Verpflegung für das leibliche Wohl,daher war auch meine Mutter, ich war schließlich noch minderjährig, mit dem Vorhaben einverstanden.Im August also ging es dann los und wir wurden mit Bundeswehrbussen in Pinneberg abgeholt. Die lange Fahrt durch ganz Deutschlandbis nach Frankreich war zwar anstrengend, aber man lernte die neuenArbeitskollegen schon mal kennen, sah unbekannte Landschaftenvorüberfliegen und erlernte die erste Lektion im fremden Land, als wir eine Pause einlegten und die dortigen "Hocktoiletten" benutzenmußten. Irgendwann kamen wir endlich in einem kleinen Dorf in der Nähe von Lyon an. Das Zeltlager war schon aufgebaut und jeder bekameinen Schlafplatz auf Matten oder Feldbetten zugewiesen. Am nächsten Tag wurden wir in Gruppen eingeteilt und zu Fuß ging es zu einemin der Nähe liegenden Soldatenfriedhof. Ein riesiges Areal erstreckte sich vor unseren Augen, so weit man sehen konnte, standen einigehundert Grabsteine in langen Reihen da. Grauer Stein, einer wie der andere, Namen waren eingraviert und sehr oft auch Geburts- undTodestag. In der Mitte ragte ein riesiges hölzernes Kreuz empor. In den Grasboden waren Tretsteine eingelassen, sodaß Besucher bequemvon Stein zu Stein gelangen konnten. Junge Bäume waren gepflanzt worden und nun war es unsere Aufgabe, Unkraut zu jäten und derAnlage zu einem gepflegten Anblick zu verhelfen. Die Arbeitszeit begann nach dem Frühstück, das an langen Holztischen unter alten Bäumenauf dem Zeltplatz eingenommen wurde. Die Köche der Bundeswehr machten gute Arbeit, denn nie hat sich jemand beklagt. Mittags wardie Arbeitszeit beendet, es wurde dann zu heiß, um unter freiem Himmel tätig zu sein und wir bekamen ein leckeres Mittagessen, ebenfallsim Zeltlager. Der Nachmittag stand dann zwar zur freien Verfügung, aber es wurden auch Aktivitäten angeboten. So kam eines Abends eineörtliche Jugendgruppe zu Besuch, es wurde geplaudert und Musik gemacht. Sogar ein deutsch- französisches Fußballspiel wurde durchge-führt. Wir durften einen Markt besuchen, das Dörfchen erkunden, und auch eine Fahrt ins nahegelegene Lyon mit dem Besuch des Kunst-museums fand statt. Den Abschluß machte eine feierliche Kranzniederlegung am französischen Ehrenmal und dann hieß es leider Abschiednehmen. Der Kriegräberfürsorge blieb ich noch lange Zeit verbunden, indem ich jahrzehntelang spendete und durch Informationsmaterial überdie Arbeit dieser wichtigen Institution auf dem Laufenden gehalten wurde.

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Renate im Arbeitseinsatz

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Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Kriegsgrab

Jahr

1963

Ort

Elmshorn

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