Zeitenwende: Meine Zeit von 1952 bis 1963

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Meine Zeit von 1952 bis 1963

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Ersteller und Datum

Erstellt von Sabrina Böhmer am 17.02.2016

Autor dieses Beitrags

Carl C. Missfeld

Haupttext

An sich wollte und sollte ich Elektriker lernen bei meinem Onkel in Kiel-Holtenau. Mein Onkel muss damals knapp bei Kasse gewesen sein, denn er verlangte von meinem Vater für Unterbringung Verpflegung in seiner Wohnung 150 DM im Monat - Dies kam für mich überhaupt nicht in Frage .Bei der Schleswag konnte ich so kurzfristig auch keinen Lehrplatz bekommen. Außerdem war meine Mutter strikt dagegen ,das ich Elektriker lernen sollte ,denn mein großer Bruder war 1950 an einem Stromschlag gestorben.

Meine Eltern und ich waren bei einem bekannten Ehepaar zu Besuch in Wittenwurt .der Mann war Betriebsleiter der dortigen Meierei. Er schlug mir vor .das Meiereifach zu erlernen .Mit diesen Gedanken hatte ich mich noch nie beschäftigt .Zwar hatten wir auch in meinem Heimatdorf eine Meierei.Der Betriebsleiter hatte einen Garten gegenüber von unserem Wohnhaus ,dort hatte er auch einige Obstbäume gepflanzt .Wir Kinder bedienten uns öfter an den Äpfeln und Birnen.

Wir nannten sie Butteräpfel und Butterbirnen . Am nächsten Tag las ich in der Zeitung die Meierei in Wewelsfleth sucht einen Lehrling. lch habe dort gleich angerufen und einen Vorstellungstermin vereinbart .Mein Vater ist mit mir dort hingefahren und wir haben gleich einen Lehrvertrag unterschrieben .Am 1. April 1952 begann ich eine Lehre n der Meierei Wewelsfleth . Die Lehrlinge und die nicht verheirateten Gesellen wohnten in dem Betrieb und wurden vom Betriebsleiterehepaar betreut und beköstigt .Ich schlief damals mit zwei Gesellen in einem Zimmer. Ein Zimmer neben an mit Ofen diente uns als Wohnzimmer Arbeitsbeginn war um 4 Uhr um ca. 6 Uhr gab es Frühstück das wir meistens auf dem warmen Kessel einnahmen jeder bekam zwei zusammengeklappte Scheiben Brot mit Wurst und Käse zu trinken gab es eine Kanne mit Kaffee oder Milch . Punkt um 12 Uhr gab es Mittag . Von etwa 12,30 bis 15 Uhr konnten wir schlafen . Arbeitszeit war dann wieder bis 18 Uhr. Dann gab es Abendbrot. Sonnabends und Sonntags war die Arbeitszeit von 4 Uhr bis 12 Uhr Nachmittags hatte einer abwechselnd Notdienst. Ich als Lehrling musste Sonnabends nach dem Mittagessen noch die Hofstelle fegen. Das hat mein Lehrchef nach etwa zwei Wochen geändert.

Ich durfte dann ab etwa 10,30 Uhr die Hofstelle säubern .Mein Lehrchef lieferte Dienstags und Freitags in Glücksstadt und Umgebung Butter, Sahne , Quark und Schichtkäse an Lebensmittelgeschäfte Bäckereien und Großverbraucher aus -Als Lehrling musste ich mitfahren und die Ware in die Geschäfte tragen. Wir fuhren etwa um 13 Uhr von der Meierei ab und waren etwa um l9Uhr wieder zu Hause. Dadurch betrug meine Arbeitszeit Dienstags und Freitags je 14 Stunden. Wenn man meine wöchentliche Arbeitszeit zusammenrechnet komme ich auf etwa 77 Stunden .Wir fühlten uns trotzdem nicht benachteiligt .denn alle mussten damals viel länger arbeiten als heute. Der ausbezahlte Lohn betrug im ersten Monat nur 6,50 DM ab dem 3 Monat bekam ich dann 12 DM Im3 Lehrjahr bekam ich 450M ausbezahlt .Einmal im Monat bekamen wir einen Sonntag frei. Urlaub bekamen wir damals 14Tage einschließlich sonnabends und sonntags .Mit Geld hatte ich nie Schwierigkeiten Wir hatten auch kaum Gelegenheit, es auszugeben. Einmal im Monat zum Friseur das war es auch schon. Alle anfallenden Arbeiten im Betrieb musste ich erledigen .Die Milchannahme und Verarbeitung .Die Bedienung und Betreuung des Dampfkessels .Die Trinkmilch und Schlagsahneherstellung .Die Butterherstellung .Die Quark und Schichtkäseherstellung. Die Herstellung von Tilsiter in den Fettstufen 20 % 30% 40% und 45% FTT bereitete mir am Anfang Probleme . Ich hatte die Bruchkorngröße nicht klein genug gemacht ,so dass der Käse zu weich wurde und nicht lange genug gelagert werden konnte Diese Ware konnte nur unter Normalpreis verkauft werden . Unser erster Geselle hatte mich darauf aufmerksam gemacht .Damals konnte auch gute Partieware im Handel gut verkauft werden . Heute sind nur noch Markthändler für solch Ware zu interessieren. Mein Lehrchef wüste genau Bescheid, er wollte auch für seine Einzelhändler und Großverbraucher günstige Ware zur Verfügung haben . Gleich im ersten Lehrjahr passierte bei uns ein großes Unglück .Im Sommer fuhren die Gesellen und ich oft mit dem Fahrrad in der Mittagsstunde zum Baden an die Elbe .Die Elbe war damals noch sehr sauber .Wir wussten nicht dass einer unserer Gesellen nicht schwimmen konnte . Er ging gleich mit uns ins Wasser und wurde sofort abgetrieben. Wir konnten gar nicht so schnell reagieren, da war er schon untergegangen . Ein großer Mann ,der auch am Deich wohnte, konnte den Leichnam mit den Füßen ertasten .Wir haben ihn mit einem Ponnywagen in eine Wolldecke gehüllt in die Kapelle ins Dorf gefahren . Er wurde nur 22 Jahre alt .Meine Mutter hatte von dem Unglück in der Zeitung gelesen. in einem Brief ermahnte sie mich mit allem immer sehr vorsichtig zu sein .Dem uns vernehmenden Kripobeamten brachte ich zum Ausdruck, dass ich mir Vorwürfe machte ihn nicht gerettet zu haben. Der Beamte meinte, dann wäre ich wahrscheinlich auch ertrunken.Anfang August 1952 bekam meine Mutter eine Rippenfellentzündung und wurde von ihrem Hausarzt ins MeWorfer Krankenhaus eingewiesen . Da sie oft im Traum sprach, gaben ihr die Ärzte eine Beruhigungsspritze .Sie ist daran in der Nacht mit nur 48 Jahren gestorben . Meine Lehrzeit ging Ende März 1955 zu Ende. Mein Chef bot mir an ,als Geselle weiter im Betrieb zu arbeiten .Er bot mir ein Nettogehalt von 160DM im Monat an .Nach einer kurzen Bedenkzeit forderte ich 200 DM .Der Meiereivorstand genehmigte meine Forderung und ich konnte bleiben .Zum 31 März 1956 kündigte ich die Stellung um andere Betriebe kennenzulernen. Zum 2Mai wollte ich in der Meierei Süderzotlhaus bei Flensburg anfangen.Mit meinem Vater hatte ich vereinbart einen Monat kostenlos in seinem Haushalt zu leben .Kaum war ich zu Hause angekommen überredete mich unser Dorfmeiereileiter in der Meierei Krumstedt 4 Wochen Urlaubsvertretung zu machen .Diese 4 Wochen werde ich nicht vergessen. Morgens um 3 Uhr hieß es anfangen . Vor 12 Uhr30 gab es kein Mittagessen .Um 15 Uhr hieß es wieder aufstehen .Vor l8 Uhr 30 gab es kein Abendessen .Wenn ich meinen Vater mal besuchte ,war ich um 20 Uhr schon so müde ,so dass ich die 3 RM bis zu meiner Arbeitsstelle kaum noch schaffte . Meine nächste Stellung war umso besser. Um 4Uhr Arbeitsbeginn .Um 11 Uhr gab es schon sehr gutes Essen. Wenn ich nachmittags einmal verschlafen hatte ,sagte mein Chef wenn ich meine Arbeit mache könne ich solange schlafen wie ich wolle. Nach einem Jahr suchte ich mir eine neue Stellung in der Meierei Brunsbüttel eine Privatmeierei. Mein Nettogehalt bei freier Kost und Wohnung belief sich auf 350 DM . Die Stellung gefiel mir sehr gut, es gab gutes Essen und meine Arbeit wurde anerkannt Außerdem konnte ich mit meinem Vetter ,der bei seiner Mutter in Brunsbüttelkoog wohnte in meiner Freizeit viel Unternehmen . Wir waren bei einer Frau Hansen .die eine Nachtbar in der Koogstraße betrieb als Wachleute angenommen .Der Lohn war freie Getränke an dem jeweiligen Abend .Gearbeitet habe ich auch in der neuen Stellung sehr viel Den Urlaub lies ich mir ausbezahlen . Nach 2 Jahren Anfang April 1959 habe ich meine Stellung gekündigtJetzt mit fast 23 Jahren stand meine weitere Berufsausbildung an erster Stelle. Ich hatte mich zu einem Schnittkäselehrgang im Milchwerk Struckhausen angemeldet. Der Lehrgang dauerte 6 Wochen .Anschließend meldete ich mich zu einem Obermeieriehrgang in Malente Gremsmühlen an Dieser Fortbildungslehrgang dauerte 3 Monate vom 2.10.1959 bis21.12-1959 In der Zwischenzeit war ich in der Meierei Apen im Kreis Ammeriand beschäftigt .Hier gefiel es mir nicht besonders .Dieser Fortbildungslehrgang hat mir sehr viel gebracht sowohl in der Praxis als auch in der Theorie .Nach erfolgreichem Abschluss des Obermeierlehrgangs fing ich eine Stellung in der Privatmeierei von Johann Brüns in Etelsen an . Bei freier Kost und Wohnung bekam ich 350 DM ausbezahlt - Außerdem bot Herr Brüns mir an an alle von uns hergestellten Käsesorten eine FiT Bestimmung im Wochenrythmus durchzuführen. Für jede Untersuchung sollte ich 15DM erhalten . Die Arbeit konnte ich in der Allgemeine Arbeitszeit erledigen . Bei 5 Untersuchungen in der Woche erhöhte sich mein Nettoeinkommen im Monat um etwa 300 DM.Damit verdiente ich fast das Doppelte der anderen Gesellen Allerdings mußte ich Herrn Brüns öfter mahnen, mir das versprochene Geld auszuzahlen .In dieser Zeit in der Molkerei Etelsen konnte ich gut sparen,so dass ich mich zum Meisterlehrgang in Oldenburg in Oldenburg anmelden konnte . Die Ausbildung begann Anfang Oktober 1961 und endete am 21 März 1962. Wir waren in Der Schule in einem Internat untergebracht und schliefen mit 3 Kollegen in einem Zimmer .Die Schule hat uns gut gefallen ,weil auch unser Privatleben nicht zu kurz kam .Gegen Ende des Lehrgangs ging mein gespartes Geld zu Ende und ich mußte mir von meinem Vater 300 DM leihen .Wir alle hatten nach dem Lehrgang eine Anstellung in der Hand .Ich hatte mit einer privaten Frischkäserei vereinbart den Betrieb nach Einarbeitung zu übernehmen .Da wir in der Schule nicht gearbeitet aber gut gelebt hatten .wogen wir alle 20-30% mehr. Ich wog 83 kg. Vor dem Lehrgang wog ich 70kg .Aber die Arbeit in der Frischkäserei Manitz in Emden reduzierte mein Gewicht innerhalb von zwei Monaten wieder auf 70kg In den ersten 4 Wochen hatte ich mich gut Eingearbeitet und wüste wie der Betrieb lief. Mein Angebot zur Betriebsübernahme wurde von Herrn Manitz nicht akzeptiert .Er bot mir an den Betrieb zunächst auf eigene Rechnung zu führen .Wobei ich Miete für die Kellerräume und die Arbeit seiner Frau zu bezahlen hätte . Zum 1.Mai führte ich den Betrieb dann auf eigene Rechnung . Die Arbeit gefiel mir gut. Mit der Kundschaft in Ostfriesland kam ich gut zurecht.Auch auf dem Konto bei der Volksbank in Emden konnte ich den Erfolg sehen. erhöhte mein Angebot für die Geräte und den VW Transporter auch die Miete für die Kellerraume -Aber länger als 5 Jahre wollte ich die Räume nicht mieten .Denn ich mußte die 40 Liter Milchkannen die Kellertreppe runter schleppen . Mein Vater wollte sich meine Arbeit ansehen .und hatte einen Scheck dabei. Mit dem Vorstand der Volksbank besprachen wir die Finanzierung der Geschäftsübermahme Der Vorstand sagte mir die erforderliche Summe zu Mein Vater konnte seinen Scheck wieder mitnehmen auch eine Bürgschaft brauchte er nicht unterschreiben Am Ende bestand Herr Manitz auf einen 10 jährigen Mietvertrag seiner Kellerräume Damit war meine Episode in Emden Geschichte -Ich vereinbarte mit meinem Vater in meinem Heimatdorf einen Molkereiprodukten Großhandel zu gründen Die ersten Monate brauchte ich für Unterkunft und Verpflegung nichts bezahlen .Nach dem ich die Gründungsvorbereitungen abgeschlossen hatte .konnte ich zum 1. August 1962 starten Das Geschäft lief einigermaßen gut an . Alle Geschäftsleute im Dorf haben mich von Anfang an voll unterstützt. Da mein Vater in den umliegenden Dörfern gut bekannt war, kam ich auch dort ins Geschäft .Schon ab Dezember 1962 konnte ich für meine Unterkunft und Verpflegung bezahlen . Meine Frau lernte ich in der Schleswagzentrale in Marne kennen . Sie hat mir bei der Buchhaltung von Anfang an geholfen .Einen gebrauchten VW Transporter harte ich in Marne gekauft .Mit dem Autohändler hatte ich vereinbart, den Wagen bei einem Neukauf zum vollen Preis in Zahlung zu geben Anfang 1963 wurde dann der neue Wagen gekauft. Um das Eigenkapital zu schonen wurden damals größere Anschaffungen mit Wechsel finanziertAlles war auf gegenseitiges Vertrauen aufgebaut .Die Banken und Sparkassen finanzierten damals nur Leute die keinen Kredit brauchten.

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Ausbildung, Kredite in den 1950ern, Meierei

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