Vermischtes: Waschtag

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Waschtag

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Ersteller und Datum

Erstellt von GeZeiten Redaktion am 22.06.2010

Autor dieses Beitrags

G. Keichel

Haupttext

Kurz nach dem letzten Krieg – ich war noch ein Kind – gab es bei uns zuhause einmal im Monat einen Waschtag für die so genannte „Große Wäsche“, also hauptsächlich Bettwäsche, die nicht in der Küche auf dem Herd in einem kleinen Waschkessel  gekocht werden konnte. Meine Mutter holte sich zu diesem Zweck „professionelle“ Hilfe und so erschien bereits früh am morgen die Waschfrau. Alle zu kochende Wäsche wurde in die Waschküche im Keller gebracht. Hier stand der riesengroße Waschkessel aus gemauerten Schottersteinen mit einem Zinkeinsatz, in den die gesamte Kochwäsche einer 4-köpfigen Familie hineinging, und der Feuerstelle darunter. Als erstes wurde der Kessel mittels Eimern zur Hälfte mit Wasser gefüllt und dann das Feuer unter ihm entfacht.  Wenn das Wasser warm war, wurde die Wäsche eingefüllt und das Waschpulver hinzugegeben. Dann legte man den Deckel des Kessels darauf und ließ den Inhalt mindestens 1 Stunde brodeln. Zwischendurch musste Holz im Ofen nachgelegt werden, damit das Feuer nicht erlosch und die Wäsche mit einem Paddelähnlichen Holzstock von Zeit zu Zeit immer wieder einmal bewegt werden. Ich hasste diesen Waschtag! Denn es gab zum Mittagessen an diesem Tage immer Erbsensuppe! Und die mochte ich damals gar nicht! Aber man konnte sie schon am Vortag zubereiten, um sie dann nur noch aufzuwärmen, denn am  Waschtag war zum Kochen keine Zeit! Uns Kindern war der Aufenthalt in der Waschküche untersagt, weil es wegen des Feuers und des kochendheißen Wasser zu gefährlich war. Wenn wir unsere Mutter dennoch einmal sprechen wollten und uns in die Unterwelt des Kellers trauten, stießen uns schon beim Öffnen der Waschküchentür derartige Wasserdampfschwaden entgegen, dass man drinnen kaum etwas erkennen konnte! Aus diesen Nebelschwaden lösten sich Gestalten, die selber fast wie gekocht aussahen. Wenn die Wäsche fertig war, wurde sie mittels des Holzstockes aus der kochendheißen Waschlauge in einen auf hohen Füßen stehenden Holzbottich mit kaltem Wasser umgefüllt, das sich durch die heißen Wäschestücke natürlich sofort erwärmte. Jetzt kam das Waschbrett zum Einsatz. Jedes Wäschestück wurde auf dem Waschbrett noch einmal kräftig gerubbelt, um sicherzustellen, dass es auch wirklich sauber war (Eines dieser Waschbretter habe ich heute noch). Anschließend wurde das Wasser erneuert, um die Wäsche dann gründlich auszuspülen. An der einen Seite dieses Bottichs war die Wringmaschine angebracht. Eine Vorrichtung mit einer Kurbel, die zwei Walzen aus Hartgummi bewegte, zwischen die die einzelnen Wäschestücke gesteckt wurden, um sie damit auszuwringen und sie in den darunter stehenden Wäschekorb fallen zu lassen (Vorsicht! Die Finger rechtzeitig in Sicherheit bringen!). Da diese ganzen Prozeduren mit erheblichem Wassergeplansche verbunden waren, trug meine Mutter an diesem Tag immer die aus ihrer Heimat am Niederrhein „importieren“ holländischen Holzschuhe. Bei gutem Wetter wurde die Wäsche anschließend auf dem Hof auf den zwischen den Wäschepfählen gezogenen Leinen zum Trocknen aufgehängt. Bei schlechtem Wetter musste man die Wäschekörbe 2 Stockwerke hoch tragen und dann mit ihnen die Holzfallleiter zum Trockenboden erklimmen. Bettwäsche war damals noch nicht bügelfrei und musste deshalb zusammen mit Tischdecken, nachdem sie getrocknet waren, ein paar Straßen weiter in eine Wäscherei, die auch eine Heißmangel hatte, zum Mangeln gebracht werden. Dazu wurde die Wäsche zunächst wieder eingesprengt, anschließen zu zweit gereckt, zusammengelegt und wieder in den Wäschekorb gegeben. Die Heißmangel war eine überdimensionale, mit einem Leinentuch bedeckte Walze, die sich drehte. Die Breite nahm ein ganzes Bettlaken auf. Zu zweit wurden die Wäschestücke auf die Walze gelegt, die Heiz-Abdeckung schloss sich darüber und durch die Rotation glitten die Sachen auf der anderen Seite glatt wieder heraus. Dort standen zwei Helferinnen, die sie annahmen und zusammenlegten. Anschließend wurde alles wieder in den Korb gelegt und mit ihm  der Heimweg angetreten. Sich abends in ein neu bezogenes Bett zu kuscheln, dessen Wäsche, die an der Luft in Wind und Sonne getrocknet, herrlich  duftete, entschädigte für diesen so ungeliebten Waschtag und versprach uns Kindern die wunderschönsten Träume.

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Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Mühe, Reinheit, Waschen

Jahr

ca, 1946

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