Vermischtes: Einkaufstouren in Dänemark

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Einkaufstouren in Dänemark

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Erstellt von GeZeiten Redaktion am 19.10.2009

Autor dieses Beitrags

Gisela Hess-Hatting

Haupttext

In den 60er Jahren begannen die Einkaufstouren der Deutschen nach Dänemark und umgekehrt, die Einkaufstouren der Dänen nach Deutschland. Meine Eltern kauften in Dänemark vorrangig Butter, Zucker und Mehl ein. Das war für unseren Kuchen gut, denn damals backte meine Mutter jede Woche einen Sonntagskuchen. Auch im Sommer, wenn unsere Küche durch das Einkochen von Saft aus den Beeren unseres Schrebergartens in der Sommerhitze zur Sauna wurde, verarbeitete meine Mutter reichlich dänischen Zucker. Vom Balkon unseres Wohnzimmers aus beobachtete ich den regen Busverkehr Richtung Grenze und zurück.

In späteren Jahren wagten wir durch den Transport einiger Flaschen Deutschen Jamaica-Rum-Verschnitt in dem Kofferraum unseres VWS, die Mitfinanzierung einer Woche Urlaub auf einem Campingplatz in Dänemark. Wir konnten den Rum gut an den „Mann“ bringen, denn der Alkohol war damals in Dänemark sehr teuer.

Es gab auch „Sprit-Touren“ mit dem Dampfer. Eine feuchtfröhliche Angelegenheit, die von Dänen und Deutschen gerne genutzt wurde, um den Vorrat an Alkohol für die nächste Feier einzukaufen. Hier waren für beide, für Dänen und Deutsche „Grenzbewohner“, die Preise günstig.

Ende der sechziger Jahre lernte ich die Gastfreundschaft angeheirateter dänischer Verwandte durch Besuche in Sonderburg kennen. Für uns, die wir in sparsameren Verhältnissen lebten, war das beeindruckend. Hier wurde sehr lange und ausgiebig getafelt. Daran mussten wir uns als Deutsche gewöhnen.  Es war sehr schön, diese Großzügigkeit zu genießen. Mir viel auch auf, dass die dänischen  Frauen ein anderes Selbstbewusstsein hatten, als deutsche Frauen. Für sie war es viel früher selbstverständlich, ihrem erlernten Beruf nachzugehen, trotz Kinder und Haushalt. Diese Entwicklung fand bei uns erst einige Jahre später statt.

Meine Tochter besuchte Ende der siebziger Jahre den dänischen Kindergarten. Ich wählte den dänischen Kindergarten, weil mir eine freundliche, offene Atmosphäre entgegenschlug. Schon beim ersten Gespräch mit der Kindergartenleiterin fühlte ich mich gut aufgehoben – fasste für mich und meine Tochter Vertrauen. So entgegenkommend hatte man mich als Geschiedene mit Kind nicht  im städtischen und auch nicht im kirchlichen Kindergarten aufgenommen.

Der dänische Kindergarten in der Nähe des Flensburger Bahnhofs, den meine Tochter drei Jahre lang besuchte, war ein kleiner Kindergarten. Eltern und Kinder lernten sich kennen. Jeder sprach mit jedem.

Mit gerade sechs Jahren machte meine Tochter ihre erste, große Ferienreise nach Grenaa, zu ihren neu gewonnenen „Pflegeeltern“ in Dänemark. Durch Adressenvermittlung des Kindergartens lernten wir durch Briefkontakt vorab Lina, Mads und Tina kennen. Es war für meine Tochter eine spannende, mutige  Reise. Wurde doch einen Tag vor Eintreffen des deutschen Ferienkindes Kati geboren, die zweite Tochter von Lina und Mads, als Schwester von Tina.  Vier Wochen dauerte der Aufenthalt in Dänemark. Meine Tochter lernte die zahlreichen Verwandten ihrer Pflegefamilie kennen. Das waren Morfar und Mormor, Moster, Faster...und viele mehr. Und sie lernte Dänisch. Als wir sie in Grenaa abholten, sprach sie in den ersten Stunden kein deutsch. 

Ich muss nicht lange beschreiben, dass der erste Aufenthalt meiner Tochter in Dänemark für sie schön war. Die Freundschaft besteht immer noch, und das schon seit über fünfundzwanzig Jahren.  Wir besuchten uns in den ersten Jahren regelmäßig gegenseitig – einmal fuhren wir nach Grenaa, dann kamen unsere Freunde zu uns nach Deutschland. Wir lernten viele dänische Gewohnheiten und Bräuche kennen. Bei Familienfesten wie Geburtstagen, Hochzeitstagen und Konfirmationen waren wir dabei.  „Tak for  mad“ und „vel bekom“ , „tak for i dag“ , „tak for i aften“ ,......wurde auch in unserem Haus immer öfter gesagt. Und von dem dänischen Lebensgefühl „hyggelig“ haben wir uns einiges angenommen. Das finde ich gut. Umgekehrt haben auch unsere dänischen Freunde unsere deutschen Lebensgewohnheiten und Familienfeste kennengelernt. Und sie merkten: So schlimm sind die Deutschen ja gar nicht.Es wurden Vorurteile – typisch dänisch – typisch deutsch – abgebaut. Es war eine Bereicherung für uns alle. Uns wurde viel Schönes vom Land Dänemark gezeigt – mit Stolz und Begeisterung. Und umgekehrt zeigten wir unseren Freunden viel von unserer Heimat. Wir haben, wie man so schön sagt, viele gemeinsame Drähte gefunden und daran gearbeitet, sie verbunden, damit unsere Freundschaft Bestand hat. Etwas Schöneres gibt es nicht.

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