Vermischtes: "Frühstücks-Kämpfer"

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"Frühstücks-Kämpfer"

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Ersteller und Datum

Erstellt von Sabrina Böhmer am 05.04.2009
Zuletzt bearbeitet von GeZeiten Redaktion am 07.04.2009

Autor dieses Beitrags

Einar Maschmann

Haupttext

Das große Kaufhaus in der Kieler Innenstadt öffnet um 9.30 Uhr.Im zweiten Stockwerk gibt es ein großes Selbstbedienungs-Restaurant, vormittags mit Frühstücksangebot.Dieses übt offenbar eine große Anziehungskraft auf Senioren aus, denn eine erhebliche Anzahl von ihnen findet sich schon weit vor der Öffnungszeit des Kaufhauses in einem Windfang des Seiteneingangs ein.Es hat sich herumgesprochen, daß nicht der Haupteingang, sondern dieser Nebeneingang als erster geöffnet wird.Noch stehen die Senioren im Windfang, ein durch Glastüren von der Fußgängerzone zum Kaufhausinneren abgetrenntes Areal.

Die Stimmung der zahlreichen Senioren ist zwiespältig angespannt-locker, eher das erstere.Die Gespräche drehen sich um Krankheiten, Ärzte und geschiedene Kinder.Einige Senioren scheinen sich gut zu kennen, bei anderen ist es eine eher lockere Kaufhaus-Treff-Bekanntschaft.
Um 9 Uhr 30 ruft einer der Senioren: "Er kommt !". Tatsächlich erscheint hinter der inneren Glastür ein blau gekleideter Kaufhaus-Mitarbeiter mit Schlüsselbund und entriegelt eine Glastür.Schlagartig verstummen die Gespräche der Senioren; nun drücken, drängen und schieben sie sich durch die soeben geöffnete Glastür. "Nimm die rechte Rolltreppe", ruft eine ältere Dame einem Herrn zu, und im Nu ist jede aufwärtsfahrende Stufe besetzt.Auf der Rolltreppe selbst bewegen sich die Senioren nicht, nur beim Wechsel der Rolltreppen vom ersten ins zweite Stockwerk wird erneut mit forciertem Tempo geschoben.

Nachdem die Senioren die zweite Rolltreppe verlassen haben, geht's mit neuem Schwung Richtung Cafeteria.Einige nehmen den direkten, breiten Weg, andere biegen in die Geschirrabteilung ab, aber nicht, um dort etwas zu kaufen, sondern um die Geschirrabteilung quasi als Überholspur zu benutzen.Das Wettlaufen scheint eine Mischung aus Ernst und Spaß zu sein, auch hier ist das erstere das wahrscheinlichste.Die Überholer-Gruppe aus der Geschirrabteilung, offenbar die physisch fitteste, erreicht als erste den Eingang zur Cafeteria; Worte des Triumpfs fliegen der unterlegenen Gruppe der Normalweg-Benutzer entgegen. "Schnell die Plätze am Fenster besetzen", ruft man sich zu.Der Pulk der Senioren strebt den Tischen und Stühlen an der Fensterseite der Cafeteria zu, dort werden dann Mäntel, Hüte und Taschen platziert.Damit sind die Plätze reserviert.Anschließend beginnt die Hatz aufs Frühstücksbuffet.

Dieses Ritual, daß viele Senioren in die Kaufhaus-Cafeteria streben, um dort zu frühstücken, beobachte ich schon seit längerer Zeit.Die Zahl der Senioren wächst, und der Kampf um die sogenannten "guten Plätze" wird härter.Ich denke mir, daß man sich doch gerade im Alter Zeit und Muße nehmen könnte, das Frühstücks-Ritual in Ruhe anzugehen.Aber offenbar gehört die selbstinszenierte Hatz auf die vermeintlich exponierten Plätze genauso dazu wie das Frühstücks-Ei oder der Kaffee.Und vielleicht gehöre ich ja später einmal selbst mit zu den Frühstücks-Kämpfern . .

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Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Kaufhaus, Kaufhaus-Treff-Bekanntschaft, Senioren

Jahr

2009

Ort

Kiel

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