Vermischtes: Ein Weihnachtsfest, das man nie vergisst

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Ein Weihnachtsfest, das man nie vergisst erlebt und aufgeschrieben von Käthe Backhaus

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Ersteller und Datum

Erstellt von Sabrina Böhmer am 07.12.2016
Zuletzt bearbeitet am 07.12.2016

Autor dieses Beitrags

Heidi Knaak

Haupttext

Jetzt, wo das Wohnzimmer weihnachtlich geschmückt ist, kommt die besinnliche Stimmung auf, wo alles wieder lebendig wird. 

Ein ganzes Leben liegt dazwischen, mit allen Höhen und Tiefen. Es war nicht das schönste Weihnachtsfest, aber für mich wird es unvergesslich bleiben  – Weihnachten 1945.

 

Im November hatte mir eine gutherzige Bäuerin in Husby im Landkreis Flensburg ihre gute Stube als Wohnung angeboten. Wir sagten früher „Geburtstagsstube“ dazu, denn sie wurde nur zu besonderen Anlässen benutzt. Es gab darin einen herrlichen grünen Kachelofen. Bis dahin hatte ich mit meinen beiden kleinen Kindern in einer unbeheizten Dachkammer gehaust – meine einzige Schwester war auf der Flucht aus Pommern gestorben, mein Mann sollte in einem Lager sein, und meine Eltern irgendwo in der damaligen Ostzone leben.

 

Nun kam das Weihnachtsfest näher. Die Bäuerin wollte keinen Weihnachtsbaum haben. Sie hatte keine Kinder, aber den Baumschmuck, Kerzenhalter und Weihnachtsbaumfuß wollte sie mir gern borgen. So kaufte ich damals von meinem wenigen Geld eine schöne Tanne, die letzten Kerzen wurden aus dem Luftschutzkoffer hervorgeholt, und so hatten wir wenigstens einen schönen Weihnachtsbaum.

Einen Tag vor Heiligabend war ich mit dem Kleinen, der noch keine drei Jahre alt war, im Dorf zum Einkaufen. Hier hatte der Kaufmann versucht, etwas Weihnachtsstimmung in das einzige Schaufenster seines Ladens zu zaubern. Zu kaufen gab es ja bei ihm nichts, aber die Soldaten aus dem Lazarett gegenüber hatten Holzsachen gebastelt, die allerdings schon lange verkauft waren, und nur noch bis Weihnachten im Schaufenster stehen blieben. Schön waren sie zwischen dem Tannengrün anzusehen. Der Kleine sah nur Eines: Eine grau und schwarz gestrichene Holzeisenbahn. „Opa, Opa, t, t “  und schon kullerten die dicken Tränen über seine Pausbacken. Nur die Eisenbahn sollte ihm der Weihnachtsmann bringen!

Es ist oft unbegreiflich, welch Gedächtnis die Kleinen haben, denn in dem Augenblick wusste er noch genau, wenn wir ihn zu Hause auf die Fensterbank hoben, dann kam der Opa mit seiner großen Dampflok aus dem Wald, fuhr an unserem Haus vorbei, und wir winkten ihm zu. 

Jetzt standen wir beide vor dem Schaufenster und weinten um die Wette.

Was sollte ich bloß machen?

 

Am Nachmittag suchte ich den Soldaten, der die Eisenbahn gemacht hatte, im Lazarett auf und schilderte ihm meinen Kummer. Er hatte großes Verständnis, und für ein Brot machte er mir dann bis zum nächsten Tag noch so eine Eisenbahn. Die Farben waren noch nicht ganz trocken. Ich musste die Eisenbahn auf den warmen Herd stellen, damit sie am Abend eingepackt werden konnte.

Am Vormittag des Heiligen Abends hatte ich dann selbst meine Weihnachtsfreude: Ich bekam als erstes Lebenszeichen seit Kriegsende von meinem Mann und auch von meinen Eltern den ersten Kartengruß.

Abends gab es glückliche Kinderaugen, als der Weihnachtsmann die kleine Holzeisenbahn hervorzauberte. Sie existiert heute noch.

 

Nach der Bescherung wurde ich dann am Abend mit all den anderen jungen Leuten, die auf dem Hof arbeiteten, von der Bäuerin zum Gänsebratenessen eingeladen. Die Bäuerin war recht verlegen, als sie mich bat, ob ich nicht den Weihnachtsbaum mitbringen könnte. Also schafften wir den Baum über den Flur in die andere Stube. Nur mit dem Weihnachtsliedersingen klappte es nicht so recht. Da war uns allen die Kehle wie zugeschnürt, und wir wischten uns verstohlen die Tränen aus den Augen.

Kaum stand der Baum wieder in meinem Zimmer, klopfte es leise und verschämt an meine Tür. Eine andere Flüchtlingsfrau aus dem Haus bat, ob sie den Baum nicht für eine halbe Stunde für die Bescherung ausleihen dürfte. Über 30 Leute waren wir damals auf dem Bauernhof, und ich hatte als einzige einen Baum mit richtigen Weihnachtskerzen. Kaum war der Baum wieder bei mir im Zimmer, klopfte es schon wieder zaghaft an meine Tür, und auch die letzte Familie wollte ihn für eine besinnliche halbe Stunde ausgeliehen haben. Wo hat es das schon gegeben: Der verborgte Weihnachtsbaum!

Da gab es endlich für mich ein herzhaftes Lachen an diesem Abend und die Gewissheit, dass dieser Weihnachtsbaum zu den schönsten in meinem Leben gehören würde, denn der Kerzenschein hat uns allen damals Mut gemacht und die Hoffnung auf ein

 

„Friede auf Erden“


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Jahr

1945

Ort

Pinneberg

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