Vermischtes: Sturmflut 1962 in Wyk

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Sturmflut 1962 in Wyk Erinnerungen aus Kinderzeit

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Erstellt von Karin Grön am 16.02.2012

Autor dieses Beitrags

Karin Grön

Haupttext

1962 war ich noch nicht ganz 11 Jahre alt.

Es war ein Orkan mit Sturmflut angekündigt. Abends fiel wie meistens bei Sturm das Licht aus. Meine Mutter ging mit uns zu Frau Edel. In ihrem Wohnzimmer, aus dessen Fenstern man auf den Sandwall sehen konnte, hatte sie viele Kerzen angezündet und ich erinnere mich an einen gemütlichen Abend im sturmumtosten Haus. Irgendwann mussten wir als kleine Kinder wohl zu Bett und gingen nach Hause. Am nächsten Morgen warfen wir unserer Mutter vor, dass sie uns gar nicht geweckt hatte, wir hatten die ganze Sturmflut verschlafen.

Nach dem Frühstück mussten wir natürlich gleich los, gucken, was passiert war. Aber viel war nicht  zu sehen. Auf der Strandpromenade war ein kleiner LKW eingebrochen, der mit Sandsäcken beladen war. Vermutlich war der Sand unter dem Betondeckel weggespült worden. Der trug deshalb das Gewicht nicht und wir konnten den Wagen mit Fracht in dem großen Loch liegen sehen.

Den Deich zwischen Stadt und Hafen von Wyk gab es damals noch nicht. Gesehen haben wir es nicht, aber es haben wohl viele Häuser in der Hafenstraße zum Teil unter Wasser gestanden, darunter auch das Altersheim. Ob dort viel passiert ist, hat man uns Kindern aber nicht erzählt. Die Sturmfluten waren wohl sowohl der Grund für den Neubau eines Altersheims weiter im Land und den Bau des Deichs und der Stöpe, die nun immer bei Bedarf geschlossen wird, um die Stadt vor dem Wasser zu schützen.

Vor der Sturmflut hatte jedes Haus in Wyk noch seinen eigenen Brunnen – mit wunderbarem Wasser. Ich erinnere mich an leichtblaues Wasser in der Badewanne. Und Tee hatte anders als in Flensburg niemals eine Haut, sondern schmeckte einfach lecker. Doch bei der Sturmflut sollen einige Brunnen versalzen worden sein. Die Nachbarn aus der direkt an der Strandpromenade gebauten ‚Villa Irma’ kamen einige Tage zu uns und holten Wasser aus unserem Brunnen bzw. unserem Hahn. Ob das der Anlass war, die Wasserversorgung zu zentralisieren, weiß ich nicht, wir waren einfach noch zu jung, um das alles zu verfolgen.  

Viel später erzählte meine Mutter, sie habe die Nacht aushilfsweise in der Telefonvermittlung verbracht –  Gespräche mussten ja noch zusammengestöpselt werden –  und dabei auch einen Teil des Gesprächs eines Mannes in Berlin mit seiner auf der Hallig verheirateten Tochter mitbekommen. Als die Tochter dem Vater sagte, sie müsse sich nun leider verabschieden, „wir müssen jetzt auf den Dachboden, draußen sind gerade die Nachbarn auf dem Dach (oder Heuhaufen) vorbei getrieben“, da konnte sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten, sagte sie.

Ich hoffe, ich erinnere das alles richtig. Wenn jemand dazu genaueres weiß, würde es mich sehr interessieren. Dass die Sturmflut so viele Menschen das Leben gekostet hatte, erfuhren wir erst später. Und auch von dem Leid, das viele Überlebende in den Hauptkatastrophengebieten erfuhren. Man stelle sich vor, mitten im Februar steht das Haus unter Wasser. Man selbst ist nass, von Heizung kann man eh nur träumen.

Nee, was wir für ein Glück hatten!

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Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Sturmflut

Jahr

1962

Ort

Wyk

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