Schule, Kinder, Kindergarten: Erlebnisse in Schule, Verein und Freizeit (I)

Titel und Untertitel

Erlebnisse in Schule, Verein und Freizeit (I) Zwischen dem 10. und 17. Lebensjahr

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Ersteller und Datum

Erstellt von GeZeiten Redaktion am 08.04.2014
Zuletzt bearbeitet am 11.08.2014

Autor dieses Beitrags

Dr. Hildegard Trutschel

Haupttext

Mit bösem Blick ging sie auf das Mädchen zu, griff nach seinen Zöpfen und zog es daran über eine etwa vier Meter lange Bank. Das Mädchen schrie erbärmlich! Nein, das habe ich nicht aus einem zweitklassigen Schmöker abgeschrieben, sondern selbst so erlebt. In meiner Klasse. Es handelte sich um meine Freundin, die es wagte, den in der Aula stattfindenden Musikunterricht unserer sehr strengen Lehrerin zu stören.

Auch auf mich hatte sie es abgesehen, wenn auch in etwas anderer Form. Wir wurden alle aufgefordert, ein Lied vorzusingen , damit sie unsere ."Chorfähigkeit" überprüfen könne. Sie ist Schuld daran, dass ich nicht in den Chor auf genommen wurde. Warum? Naja, ich hatte sie etwas provoziert mit der Wahl meines Liedes, für damalige Zeiten eine schon etwas freche Auswahl .Ich befand mich in der vorpubertären Phase, sonst hätte ich nicht diesen Song gewählt:

In Kanton bin ich geboren, bin als Cowboy ausgezogen in den Süden! Hab mein Lasso aus geschwungen, ein Liebeslied gesungen für Conchita! Hab an Dich gedacht, bei Tag und bei Nacht, denn ich bin ja nur ein Reiter, und die Sehnsucht treibt mich weiter in de Süden hin.

„Setzen", schrie sie , und damit war meine musikalische Karriere an der Schule beendet. Etwas stolz möchte ich erwähnen, dass ich später , ich war so um die 19 Jahre alt, meine Chorleiterprüfung geschafft habe.

Sehr viel lockerer ging es im Zeichenunterricht zu. Unsere Lehrerin war nicht mehr die Jüngste und nicht sehr durchsetzungsfähig. Wir machten viel Blödsinn, redeten viel, trotzdem schimpfte sie nie oder nur selten. Einmal gingen wir alle während einer Unterrichtsstunde in einen nahe gelegenen Park, um Landschaftsbilder zu zeichnen. Wie sollte ich das bei meiner Begabung und erzwungenen Rechtshändigkeit schaffen? Irgendwie war es mir möglich, meinen Freund- ich glaub, ich war 14 Jahre alt - dorthin zu bestellen. Er half mir. Ich passte auf, wo unsere Lehrerin gerade war, und immer, wenn sie vorbei kam, versteckte sich Spacco, mein Freund, im Gebüsch. Sie war sehr angetan von meinem Bild; ob sie doch etwas bemerkt hatte?

Im Sportunterricht lief eigentlich auch alles recht locker ab, nur zu Beginn der Turnstunde mussten wir uns immer der Größe nach auf stellen. Bis zur letzten Klasse blieb ich die Kleinste in der Reihe. Bevor der Unterricht begann, wurden alle Schülerinnen der Reihe nach aufgerufen. Heute unvorstellbar? Ein junger Lehrer aus unserem Bekanntenkreis, der nach seinem Examen keine Stelle in NRW mit den Fächern Sport und Französisch erhielt, erlebte 1996 Ähnliches an einem Gymnasium der Neuen Bundesländer. Es soll wohl auch einige Zeit gedauert haben, bis er die Kollegen davon überzeugen konnte, dass man auf das Antreten in Reih und Glied vor Beginn einer Turnstunde verzichten könne. Selbst im Turnverein, direkt nach dem Krieg, bestimmte noch dieses Ritual den

Beginn einer Turnstunde. Unsere Sportlehrer im Verein waren jung und dynamisch, aber natürlich stark durch die Nazizeit geprägt. Trotzdem ließ man uns Raum zu Späßen.

Am liebsten ging ich Sonntagvormittag zum Turnen. Da waren nämlich auch die Jungen . Manchmal turnten wir zusammen an einem Gerät. Welch ein Fortschritt! Damals turnten wir noch an den Schwungringen - es war zu der Zeit ein Wettkampfgerät für Mädchen als auch für Jungen. Um nach dem Salto aus den Schwungringen weich landen zu können, gruben die Jungen das Sägemehl um. So benötigten wir keine Matten.

Ein etwas schlechtes Gewissen hatte ich schon, wenn ich sonntags zum Turnen ging - meinen Eltern erzählte ich nämlich, dass ich zur Kirche gehen würde, das erwarteten sie von mir. Wir waren katholisch!

Irgendwann platzte mein Lügennetz dann doch, aber ich durfte weiter zum Turnen gehen, meine Erstkommunion hatte ich ja hinter mir .Meine Erinnerung daran ist nur schwach- allerdings an das Carepaket, das wir einige Tage vor der Kommunion erhielten, erinnere ich mich noch sehr gut: ein weißes Kleid und ein Paar schwarze Schuhe!

Alle 4 Wochen am Sonntagnachmittag fand in einem über der Turnhalle gelegenen Raum der Tanztee statt. Nein, doch nicht so, wie man sich das heute vorstellt- wir tanzten Volkstänze, zusammen mit den Jungen! Ich weiß noch, dass ich beim Volkstanz „Kieke busch . ick seh di" sehnsüchtig darauf wartete, dass wir im Kreis einen Platz weiter geschoben wurden, bis man endlich bei seinem Schwärm gelandet war.

Zu diesem Schwärm- Christian- habe ich heute noch eine gute Beziehung. Und zu dessen Frau ebenfalls, wir waren in der selben Riege. Einmal im Jahr besuche ich sie in Flensburg und erfahre dann immer wieder Neuigkeiten über all die anderen, mit denen wir damals gemeinsam „gesportelt" haben. Nicht nur gesportelt, sondern auch gezeltet!

Mit dem Rad sind wir in die Geltinger Bucht, etwa 20 km von Flensburg entfernt., gefahren. Von wem ich das Rad hatte? Ich weiß es nicht. Die Zelte gehörten wohl dem Verein. Oh es war ja so spannend.!

Natürlich krochen wir auch mal zu den Jungen ins Zelt oder die Jungen zu uns. Die ersten Umarmungen und Küsschen wurden ausgetauscht. Unsere Lehrer durften das nicht mitbekommen. Ich weiß nicht, was dann passiert wäre.! Hätten sie als jung verheiratetes Paar Verständnisse für unsere Liebesspielchen gehabt? Abends freuten wir uns auf das Lagerfeuer und sangen dabei Lieder, die nicht mehr so ganz zeitgemäß waren, zum Beispiel: „Wir lagen vor Madagaskar“. Ich glaube, heute würde kein Lehrer Lieder dieser Art noch dulden. Für damalige Verhältnisse - so um 1952 - war so ein Zeltlager doch etwas ganz Besonderes!

Aber auch in Flensburg selbst war es besonders im Sommer sehr schön. Zum wunderschönen Strand nach Solitüde konnte man mit der Straßenbahn hin fahren oder mit dem Fahrrad Doch woher nehmen? Meine Schwester hatte eins! Sie hatte es sich von ihrem selbst verdienten Geld gekauft, auf Raten, wie sie mir soeben

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1952

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