Schleswig-Holstein im Wandel: Das Leben in Hörnum 1958-1966 (XII)

Titel und Untertitel

Das Leben in Hörnum 1958-1966 (XII) Teil 12

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Ersteller und Datum

Erstellt von Michael Hansen am 08.10.2011
Zuletzt bearbeitet von GeZeiten Redaktion am 09.10.2011

Haupttext

Auch am Strand tobten wir herum. In erster Linie war es der Oststrand, welcher sich quasi hinterm Elternhaus im Blanken Tälchen befand. Nur die Schienen der Inselbahn trennten uns vom Wattenmeer. Dieser beim Drehen und Rangieren in die Quere zu kommen, war strengstens verboten, was uns natürlich nicht daran hinderte, während der Fahrt unbemerkt auf und ab zuspringen. Wir müssen alle sehr eifrige Schutzengel gehabt haben. Jedenfalls passierte uns Inselkindern eigentlich nie etwas. Das Baden im Wattenmeer und am entfernteren Weststrand barg aufgrund gefährlicher Strömungen enorme Gefahren. Im Sommer hatte man das Fahrgastschiff Hilliegenlei auflaufen lassen, um während der Ebbe Reparaturen daran auszuführen. Als das Boot dann am Abend mit der Flut wieder frei gekommen war, hatte sich ein tiefes Loch an der Stelle gebildet. Wir liefen am Strand entlang und fielen in dieses Loch hinein. Hätte ich meinen Schwimmring nicht unterm Arm gehabt und noch rechtzeitig greifen können, wäre die Angelegenheit ziemlich schlecht für mich ausgegangen. Ich konnte, wie die meisten anderen Inselkinder damals, mit acht Jahren nämlich noch nicht schwimmen. Meine Mutter verbot mir natürlich deshalb auch zum Hafen zu laufen. Gehalten habe ich mich, wie zu vermuten ist, nicht immer daran. Umso eindrucksvoller war dann die Erfahrung als Zuschauer dort erleben zu müssen, wie Rettungskräfte einen ertrunkenen Mann aus dem Wasser zogen. Auf diese Weise bildete sich bei mir ein ganz natürlicher Respekt vor dem Meer. Am Weststrand starben in den anderen Orten jedes Jahr immer wieder Urlauber, die von tückischen Unterwasserströmungen fortgerissen wurden. Manchmal wurde ich von meiner Mutter aber auch beauftragt, zu den Fischkuttern am Hafen zu gehen um dort Schollen zu kaufen. Es sollten nicht zu viele sein und vor allem nicht ganz so dicke. Der Preis war auch festgelegt: Er betrug damals 1 Deutsche Mark! So viel kostete ebenfalls die Zigarettenschachtel, welche ich für meine Eltern häufig von unserem Nachbarn, dem Kneipenwirt des rostigen Ankers und Vaters von Kumpel und Klassenkamerad Heinzi, holen sollte. Es gab dort eine Sorte Schokolade, die ebenfalls 1 DM kostete und somit für mich natürlich unerschwinglich war. Vater gab mir eine alte leere Zigarrenschachtel und ich begann zu sparen. Von Sommergästen erhielt ich dann einmal 50 Pfennige und konnte mich in diesem Moment zu den wohlhabenden Kindern zählen. Irgendwann hatte ich die 2 und 5 Pfennige, die ich fürs Einkaufen von meiner Mutter erhielt, solange aufgespart, bis ich mitsamt der Zigarrenkiste bei Heinzis Vater vor dem Tresen stand, ihm den Inhalt darauf auskippte und meine Schokolade bekam. Im Dünengras zitterten meine kleinen Finger als ich sie öffnete und mir ein Stückchen davon abbrach und im Munde zergehen ließ. Man muss dazu sagen, dass es damals für 2 Pfennige beim Kiosk mit dem treffenden Namen Lolli eine große Tüte Pfefferminzbonbons gab. Die Lakritze einer deutschen Süßwarenfirma war in Zellophantütchen eingepackt und kostete zunächst 10 Pfennige, um danach stetig über 15 Pfennige auf 25 Pfennige zu steigen. Irgendwann lag mal ein kleiner bunter Teddybär darin. Natürlich wollte ich nur noch diese Tütchen haben und erfuhr erst viel später als Erwachsener, dass ich wohl auf diese Weise die Geburtsstunde der Gummibärchen live miterlebt hatte.

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