Schleswig-Holstein im Wandel: Das Leben in Hörnum 1958-1966 (XI)

Titel und Untertitel

Das Leben in Hörnum 1958-1966 (XI) Teil 11

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Ersteller und Datum

Erstellt von Michael Hansen am 08.10.2011
Zuletzt bearbeitet von GeZeiten Redaktion am 09.10.2011

Haupttext

Nach dem Biikebrennen (das war das Abbrennen der Tannenbäume am 22. Februar auf der Düne über dem Hafen, auf der dann ab 1966 die neue Schule errichtet wurde) feierten die Eltern den Petritag. Wir durften am Abend im Gemeindehaus auftreten und einstudierte Gedichte sowie auch Märchenspiele aufführen. Ich war einer der sieben Zwerge und Beate, die leider viel zu früh aufgrund eines Unfalls verstorbene Tochter von Frau Kepinsky, spielte das Schneewittchen. Wenn sich das Schuljahr dem Ende neigte, feierten wir auch unser Kinderfest. Schiffchen ziehen, Ballwerfen und Ringstechen gehörten zu den Wettbewerben in den ersten drei Klassen.

Im vierten Jahr wechselte dann die komplette „Mannschaft“ das Klassenzimmer und auch den Lehrer. Es handelte sich in meinem Fall um Herr Pahl, der sich nun für die Stufen vier bis sechs verantwortlich fühlte. Hinsichtlich des geforderten Gehorsams und der Arbeitsdisziplin änderte sich natürlich: Nichts! Wir begannen bei ihm die Alte Deutsche Schrift zu erlernen und es wurde Friesischunterricht erteilt. Zu den ersten Aufgaben des frischgebackenen vierten Schuljahres gehörte auch, das Landeswappen zu zeichnen und im Anschluss daran als Mosaik mit bunten Steinchen zusammenzubasteln. Lange konnte ich die vierte Klasse nicht mehr besuchen, denn zu Beginn des Jahres 1966 wurde mein Vater nach Flensburg versetzt. Dort kam ich im April zum Gymnasium. Die letzten drei Klassenstufen unserer Volksschule, an die ich gerne zurückdenke, wurden vom Rektor, Herrn Ehlfeldt, betreut. Über sein Auftreten bei uns berichtete ich bereits. Er war ebenso absolute Respektsperson wie die anderen beiden Lehrer, der Dorfpastor und der Dorfpolizist. Hilfe von den Eltern, wenn wir mal etwas „verbrochen“ hatten, bekamen wir keine. Im Gegenteil: Die Strafe von dort ließ meistens auch nicht lang auf sich warten. Disziplin, Sauberkeit, Ordnung und Gehorsam hießen die Zauberworte unserer Erziehung. Ich kann im nach hinein allerdings nicht sagen, dass mir irgendetwas davon geschadet hat. Nach der Schule freuten wir uns natürlich auf unsere Freizeit. Gerade in den Herbst- und Wintermonaten waren die Insulaner wieder unter sich. Es gab nur ganz wenige Autos, so dass sich für die Kinder doch viele Möglichkeiten auftaten, frei und ungezwungen, ohne auf den Straßenverkehr achten zu müssen, an allen Stellen im Dorf zu spielen. Im Sommer befand sich der schönste Treffpunkt ganz oben auf der Düne. Dort standen schon einige Häuser und jede Hausfrau versuchte hartnäckig, dem Sandboden ein paar Blumen und ein wenig Gemüse abzuringen. In einem dieser liebevoll betreuten Gärten befand sich ein Hochbeet, in welchem sich im Juni Erdbeeren anschickten, das Glück der Dame des Hauses zu vervollkommnen. Und jedes Jahr zur Reifezeit schlichen wir uns vorsichtig an. Natürlich wussten die Erdbeereneigentümer, dass nicht nur Vögel ihre zarten roten Früchte liebten, sondern nahezu sämtliche Dorfkinder es als Nationalsport ansahen, sich einer solch köstlichen Frucht zu bemächtigen. Es gelang mir leider nie, denn ich war der Kleinste und das Herz schlug mir schon, während wir auf der Lauer lagen immer bis zum Hals.

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Jahr

1962-1966

Schlagwörter (passend zum Thema des Artikels)

Biike, Schulaufführungen, Streiche

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