Schleswig-Holstein im Wandel: Das Leben in Hörnum 1958-1966 (X)

Titel und Untertitel

Das Leben in Hörnum 1958-1966 (X) Teil 10

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Ersteller und Datum

Erstellt von Michael Hansen am 08.10.2011
Zuletzt bearbeitet von GeZeiten Redaktion am 09.10.2011

Haupttext

Und es geht weiter mit Geschichten aus der Hörnumer Volksschule. Direkt vor unserem Haus stand, wie bereits erwähnt, eine hohe mächtige Düne. Diese mussten wir überwinden wenn wir zur Schule wollten. Der Weg führte im Anschluss daran durch die Budersandstraße und danach war noch eine zweite Düne zu bewältigen. Dann hatten wir es geschafft. Ich schätze, so circa 2 Km gehörten zu unserem täglichen Schulweg. Dass es keinen Schulbus gab und auch nur wenige Eltern über ein Auto verfügten, versteht sich zur damaligen Zeit (1962-1966) von selbst. Wir mussten also, ob Neunt- oder Erstklässler, bei Wind und Wetter zusehen, wie wir unsere Schule erreichten. In den ersten drei Jahren war Frau Kepinsky, selbst Mutter dreier Kinder, für ihre Schutzbefohlenen, sprich uns, zuständig. Wir lernten als erstes die meisten Kinderlieder aus dem Schleswig-Holstein Liederbuch auswendig und begannen dann jeden! Unterrichtsmorgen zunächst mit einem neuen Lied. Natürlich stand man dazu auf und auch, wenn die Lehrerin den Klassenraum betrat, erhob man sich. „Guten Morgen, Kinder!“ „Guten Morgen, Frau Kepinsky!“, hieß daraufhin die korrekte Antwort. Danach wurde gesungen und erst wenn: „Setzt euch!“, gesagt wurde, durften wir unsere Plätze einnehmen. Hatten wir in der ersten Stunde Rechnen, konnte dieses erlösende Wort für den einen oder anderen allerdings in weite Ferne rücken. Denn vom zweiten Schuljahr an war Kopfrechnen angesagt. Wehe dem, der das kleine Einmaleins nicht sicher beherrschte und sich bei den Kettenaufgaben auch noch aus dem Konzept bringen ließ! Keiner wollte gerne als letzter stehen bleiben. In den ersten Wochen als ABC-Schützen durften wir noch eine Schiefertafel benutzen. Dann mussten wir allerdings recht schnell auf Hefte umsteigen und lernten, das Alphabet mittels eines Füllhalters in Schönschrift dort hineinzuschreiben. Schönschrift gehörte fortan genauso zum Unterricht, wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Tintenkiller waren übrigens noch nicht erfunden worden. Man musste dementsprechend sorgfältig arbeiten, sonst gab es Kleckse! Auch Eselsohren warfen kein gutes Licht auf die kleinen Schüler und manch einer bekam selbst welche, wenn Mutter oder Vater strafend daran zogen. Während des Unterrichts gab es dann auch nur eine einzige Person für uns: Frau Kepinsky! Und die setzte sich durch. Ohne Schläge, aber mit enormer Autorität. Wir hatten Respekt vor unseren Lehrern, die für uns die verlängerten Arme unserer Eltern darstellten. Ich konnte gut lernen und hatte keine großen Schwierigkeiten dem Unterricht zu folgen. Allerdings gehörte ich zu der Sorte Kinder, die kaum eine Minute still sitzen konnte und geriet deshalb mit meinen Mitschülern ständig in Streit. Meistens war ich mit den Aufgaben schnell fertig und langweilte mich sogleich. Im Kopf meines Zeugnisses stand dann auch regelmäßig der entsprechende Text. Wir hatten eine sehr gute Lehrerin, die sich aber gewaltig Gehör verschaffte und nicht nur, ohne mit der Wimper zu zucken Strafarbeiten verteilte (darüber erzählte ich bereits), sondern die betreffenden Übeltäter obendrein kurzerhand in die nächste Ecke komplementierte. Ich kann nicht mehr sagen, wie viele Schulstunden ich dort verbracht habe, aber es waren wohl Unzählige!

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Jahr

1962-1966

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