Nachkriegskinder: So war das damals

Titel und Untertitel

So war das damals Folge 1

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Ersteller und Datum

Erstellt von Sabrina Böhmer am 02.03.2015

Autor dieses Beitrags

Wilfried Bertermann

Haupttext

Als erster Sohn wurde ich im Januar 1940in Breslau / Schlesien geboren.

Die Großeltern besaßen eine Fleischerei und die Eltern der Freundin meiner Mutter eine Bäckerei. Hungern mussten wir also nicht!

Vater war im kirchlichen Dienst beschäftigt.

Die ersten Kriegsjahre erlebten wir noch relativ ruhig bei harten Wintern (bis -20°C) und herrlichen Sommern - bis Breslau zur Festung erklärt wurde.

Dann kam der erste Fliegeralarm verbunden mit kurzem Sprint in den Luftschutzkeller.

Manchmal wurde im Haus in der Straße zerstört, das nächste Mal mehrere. Danach fielen die gegenüberliegende Pauluskirche und viele Geschäfte. Unser Haus wurde nicht getroffen.

Endlich: Kriegsende am 5.Mai 19485. Mein Bruder wurde 1942 geboren, war also knapp drei Jahre alt, ich mittlerweile schon 5…

Wer gedacht hatte, dass jetzt alles vorbei wäre, hatte sich schwer getäuscht. Nun begann der eigentliche Überlebenskampf, der meist alleinstehenden Frauen mit oder ohne Kinder ereilte.

Wir wohnten damals mit Großmutter bei freundlichen Polen zur Untermiete. Mutters beste Freundin musste zum Beispiel auch im Winter im Freien in einer Schiffswerft arbeiten, um ihren kleinen Sohn und ihre Eltern zu ernähren. So blieben wir bis 1946 in Breslau.

Eine „Ausreisegenehmigung“ bekam nur die Person, die eine Adresse im Westen angeben konnte.

Das Deutsche Rote Kreuz half, wo es konnte. Wir erhielten die Anschrift unseres gesunden Vaters in Westerrönfeld bei Rendsburg. Er war in britische Gefangenschaft geraten und musste Bäume fällen zum Abtransport nach England. Es war für alle Beteiligten erträglich. Freundliche Aufseher, Essen, Kleidung und Unterkunft. Das einzig „Unerfreuliche“ für ihn war die wöchentliche Buttermilchsuppe. Bald wurden die Männer entlassen und arbeiteten danach für eine Firma in Westerrönfeld.

Es standen überall Baracken - sogenannte Kissenhütten - zur Verfügung. Einige wenige davon - allerdings stark verbessert - gibt es heute noch in einer Straße in Husum.

Damals gab es noch viele freie Flächen in der näheren Umgebung (zB. zur späteren Bebauung oder Sport).

So kamen wir zu Viert im Herbst 1946 nach vielen Irrungen und Wirrungen in Westerrönfeld an. Man musste vom Bürgermeister einem kleinen Bauern in der Bahnhofstraße zugewiesen. Der Empfang war verständlicher Weise kühl und frostig, verbesserte sich aber nach anfänglichem Beschnuppern ständig.

Ja, und dann sollte eigentlich für mich die Schulzeit beginnen. Aber oh weh, das neue Schuljahr hatte schon Ostern begonnen. Die Lehrerin wollte mich deshalb zuerst nicht aufnehmen - bei über 40 Mädchen und Jungen in der Klasse. Aber nach 14-tägiger Probezeit durfte ich bleiben. Mutter hatte mich schon in Breslau vorbereitet / gedrillt…

Wenn es bei uns im mehrstöckigen Haus laut wurde, mussten alle Hausbewohner üben. Es gab damals auch einige „Klapse“ - die aber nicht schadeten.

Fortsetzung folgt

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Breslau, Kriegsgefangenschaft, Schulzeit

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