Mein erstes Auto: Nicht mein erstes aber mein letztes Auto...

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Nicht mein erstes aber mein letztes Auto... Mobilität

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Erstellt von GeZeiten Redaktion am 03.06.2010
Zuletzt bearbeitet am 05.06.2010

Autor dieses Beitrags

Margarete Koza

Haupttext

Aus Vernunftgründen (Ich höre und sehe nicht mehr gut) habe ich mit 80 Jahren das Autofahren aufgegeben. Auch mit dem Fahrrad fühle ich mich nicht mehr sicher. Jetzt fahre ich mit dem Bus in die Stadt. Zum Arzt auch schon mal mit dem Taxi. Als Kinder sind wir oft zu Fuß gegangen oder mit dem Fahrrad in die Schule gefahren. Schulbusse fuhren noch nicht. Bei Schneeverwehungen bekamen wir von zu Hause eine kleine Schaufel mit. Lange Hosen gab es weder für Jungen, für Mädchen schon gar nicht. Da hingen dann die Eiszotteln an den Wollstrümpfen, die auch noch so kratzten, die unsere Mutter gestrickt hatte. In den 50er Jahren, als unsere Kinder noch klein waren, habe ich sie mit dem Fahrrad transportiert. Vorne im Körbchen, hinten auf dem Gepäckträger. Als sie größer wurden, lernten sie schnell auf alten Fahrrädern. Räder mit Gangschaltung gab es noch nicht. Ich habe erst später lernen müssen damit umzugehen. Mein Mann hat mich festgehalten, damit ich nicht umkippte, später, als wir im Rheinland am Stadtrand wohnten, sind wir meistens mit der Straßenbahn gefahren. Auch mit dem Zug war eine Möglichkeit in einer größeren Stadt zum Beispiel Kleidung und Schuhe einzukaufen. Ein tolles Erlebnis in einem Kaufhaus! Eine Rolltreppe! Supermärkte gab es noch nicht. Und Selbstbedienung unmöglich. Dann schafften wir es, eine eigene Firma zu gründen, wir wurden Haupthändler einer Autoniederlassung. Da waren wir natürlich motorisiert. Auf dem Grundstück war noch eine Tankstelle. Dass Kunden selbst tankten, war nicht üblich, unsere Lehrlinge mussten Tanken, Ölstand und Luft prüfen, Scheiben reinigen usw.. Oft bekamen sie ein kleines Trinkgeld. Nun musste unser Sohn ca. 12 Kilometer mit einem alten Moped ins Jungen-Gymnasium fahren. Unsere Tochter besuchte in einer anderen Stadt das Mädchen-Gymnasium. Dahin war noch keine Busverbindung eingerichtet. Wir Mütter haben den Fahrdienst übernommen. Und wenn noch jemand in die gleiche Richtung musste, ihn einsteigen lassen. In den Dörfern hatten schon einige Frauen den Führerschein. Sie mussten auch mit einem Traktor von ihrem Bauernhof umgehen können und rumpelten dann damit über das Kopfsteinpflaster. Auch die Müllabfuhr machte viel Lärm. Eine „Riesenblechröhre“. Die Frau fuhr das Ungetüm. Der Mann lud auf. Nebenbei bekam man das Neuste vom Tage zu hören. Einige Kilometer entfernt war das Hauptquartier der Engländer. Die Engländer hatten Benzin-Gutscheine und konnten nur die Marke tanken, die wir führten. Wenn an ihren Fahrzeugen kleine Mängel waren, wurden die bei uns nebenbei erledigt, meistens kostenlos. Von den Engländern wurden wir häufig mit der ganzen Familie zum Essen in ihrer Kantine eingeladen. Sonntags sind wir mit unserer Familie und Hund, mit Fahrrädern in die ländliche Umgebung gefahren. Für uns alle war es ein Vergnügen. Aber Leute aus dem Dorf konnten nicht verstehen, dass wir mit allen Fahrrädern rumkurvten. Wir hatten doch genug Autos auf dem Hof! Mit den Rheinländern und Engländern hatten wir ein gutes schönes Verhältnis. Aber nach 30 Jahren, im Rentenalter zog es uns wieder in die Heimat nach Schleswig-Holstein. Das Meer, die klare frische Luft, das Wasser bis zum Horizont – hat uns trotz der schönen Zeit am Rhein doch gefehlt.

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Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Abgabe, Führerschein, Verzicht

Jahr

2010

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