Mein erstes Auto: "Opel darf nicht untergehen"

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"Opel darf nicht untergehen" Flensburger erzählen, was sie an ihrem Opel haben

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Ersteller und Datum

Erstellt von Hauke Mormann am 25.03.2009
Zuletzt bearbeitet von Sonja Kröger am 06.04.2009

Autor dieses Beitrags

Gunnar Dommasch

Haupttext

Allen Schmähungen, Manta-Witzen und "Opel-Popel"-Sprüchen zum Trotz: Fritz Angelstein ist Opelaner durch und durch. Das ist nicht zu übersehen. Seine Wohnung - ein kleines Museum. Die Glasvitrine mit Modellautos en masse ist dort platziert, es gibt Bücher und Bildbände zur Opel-Historie und eine Foto-Galerie an der Wand. Da hängen sie, die Schmuckstücke von einst: Der "Laubfrosch" aus dem Jahre 1924, der so genannte "Doktorwagen" und der "Doppel-Phaeton", die beide Anfang des letzten Jahrhunderts gebaut wurden.

Auf so viel Betagtes kann Angelstein in der Praxis nicht zurückblicken. Aber er wartet mit einem Superlativ auf, der sich nur durch seine Tätigkeit als Fahrlehrer erklären lässt. Zwei Millionen Kilometer ist der Flensburger im Laufe seines Lebens auf vier Rädern unterwegs gewesen. "Kein Opel hat mich je im Stich gelassen, niemals ist einer liegen geblieben." Nein, auf Opel lässt er nichts kommen, der 78-Jährige. Und gerade deshalb blutet ihm das Herz, wenn er die aktuelle Entwicklung auf dem Automobilmarkt verfolgt, den drohenden Niedergang der deutschen Traditionsmarke, die von der ungeliebten Mutter an die Wand gefahren werden könnte: dem schwer angeschlagenen US-Konzern General Motors. "Wenn das Opel-Werk kaputt geht", sagt Angelstein mit ungeschminkter Betroffenheit, "wäre das, als wenn mein bester Freund stirbt."

Mit der Insolvenz hat Angelstein einschlägige Erfahrungen. Er arbeitete seit 1966 bei Opel Ahrent an der Schleswiger Straße - bis zum Ende des Unternehmens 1993. Zunächst als Kundendienstmeister, später im Verkauf. Qualifiziert war er allemal. Das Kfz-Gewerbe hat er von der Pike auf gelernt. Schon Klein-Fritz war "total Auto-versessen". Er begann eine Lehre als Kfz-Mechaniker in der Opel-Werkstatt seines Vaters im Harz, der sich 1924 selbstständig gemacht hatte. Durch seine spätere Frau Christel lernte er Flensburg kennen und schätzen. "Das war für mich die Stadt überhaupt", sagt der Familienvater, der heute mit seiner Frau auf der Westlichen Höhe lebt.

Natürlich steht ein Opel vor der Tür. "So lange ich fahren kann, bin ich nur diese Marke gefahren, und werde dies auch immer tun", versichert der eingeschworene Fan. 14 verschiedene Modelle hat er bislang auf dem Konto: den Rekord von A bis D, den Ascona und auch mit dem Vectra B, 1,6 Liter, den er heute steuert, ist er zufrieden. Und wenn er von seinem liebsten Gefährten spricht, fängt er an zu gestikulieren - die Augen beginnen zu leuchten. So war er ab 1977 stolzer Besitzer eines schneeweißen Opel Rekord C Coupé, rote Polster, verchromte Liegesitzbeschläge. "Das aufregendste Auto, das ich je gefahren bin", schmunzelt Angelstein. Und das schönste? Ein Rekord P1 in Hawaii-blau mit Alabaster-weißem Dach.

Von einem Ende der 90er Jahre vorgestellten Prototyp war er ebenfalls schwer angetan - er konnte ihn sich jedoch nicht leisten. Jedem der Opelhändler in Deutschland wurde nur ein einziger Omega Lotus zugeteilt. Der "schnellste Viertürer der Welt" hatte dadurch Aufsehen erregt, dass es ihm gelang, den Besitzer eines Ferrari Testarossa beim Spurt auf Tempo 200 zu demütigen. Der Preis war deftig. 125.000 D-Mark sollte die noble Sportlimousine kosten. Beate Uhse offenbarte starkes Interesse. "Doch das Geschäft kam nie zustande", erinnert sich Angelstein. Die Erotik-Ikone präferierte letztlich die Marke mit dem Stern. Einst war Opel der größte deutsche Automobilbauer, warb 1937 mit "Ein deutsches Tor zur Welt". Faszination Opel - was steckt dahinter? "Zum einen ist es die Ausstrahlung des Namens, für mich der Inbegriff des Perfekten", findet der Kfz-Meister. Zum anderen die haargenaue Messtechnik, die schon immer für die Langlebigkeit der Motoren verantwortlich sei.

Ab 1990, das weiß auch der Flensburger, hat Opel den Anschluss verpasst, die Zeichen der Zeit nicht erkannt. "Die Autos wurden zu biederen Familienkutschen - von diesem Image hat Opel sich bis heute nicht erholt." Dabei könne man jetzt auf Basis des Erfolgsmodells "Insignia" weitermachen. Könne mit fähigen Ingenieuren größere Modelle entwickeln wie einst den "Admiral" oder den "Diplomat". "Die Politik darf ein Werk wie Opel nicht abschreiben - Opel darf nicht untergehen", sagt Fritz Angelstein und ereifert sich dabei. Seine Frau kennt das. Sie schaut ihn von der Seite an und nickt. "Opel ist eben sein Leben."

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Opelaner ein Leben lang. Fritz Angelstein vor einem emaillierten Werbeschild von 1903.

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Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Angelstein, Autonarr, Flensburg, Opel

Jahr

2008

Ort

Flensburg

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  • 1238348896
    Lars Underberg
    Lars Underberg
    am 29.03.2009

    Der neue Opel Insignia verkauft sich wie geschnitten Brot...die Qualität von Opel ist Marktführend geworden (wer gibt sonst noch 6 Jahre Garantie???)....OPEL WIRD NICHT UNTERGEHEN !!!

    Toller Beitrag
    Viele Grüsse
    Lars Underberg (Automoilkaufmann OPEL)

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