Mein erstes Auto: Das Auto aus der Flut

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Das Auto aus der Flut

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Ersteller und Datum

Erstellt von Sabrina Böhmer am 16.02.2017
Zuletzt bearbeitet am 16.02.2017

Autor dieses Beitrags

Jutta Ohl

Haupttext

Die Sturmflut vom 16. Februar 1962  hatte auch in Itzehoe immense Schäden angerichtet. Vieles stand unter Wasser, Menschen verloren ihr Hab und Gut und waren in arger Bedrängnis. Die vielen ehrenamtlichen Helfer gaben ihr Bestes und die Bevölkerung stand eng zusammen. Es wurde viel gespendet in dieser Zeit und von allen Seiten kam Hilfe. 

Mein damaliger Freund Jochen arbeitete als Kfz-Mechaniker Lehrling in der Autohalle Mercedes Bock in der Karlstraße. Ich war Auszubildende im Juweliergeschäft Petes in der Kirchenstraße. Jede Mittagspause trafen wir uns im Prinzesshofpark und klönten eine Runde, bevor es wieder an die Arbeit ging.

 

Er hatte schon einen Führerschein, ich trug mich mit dem Gedanken. Nur das Geld war noch nicht beisammen, denn mein Lehrlingsgehalt betrug im zweiten Lehrjahr damals 80,00 DM. Davon musste ich zu Hause noch eine kleine Summe „Kostgeld“ abgeben. Ein Teil wurde außerdem gespart und der Rest ging für die Busfahrkarte oder persönliche Bedarfe weg.

Die Firmen Baugeschäft Rehder und Baugeschäft Lipp waren in der Gasstraße ansässig und blieben von der Überschwemmung der Stör ebenfalls nicht verschont. Die Firmenchefin Olga Peters (geborene Rehder) war die Tante meines Freundes. Einige Tage nach der Flut machte sie uns ein Angebot. Ein VW Käfer hatte in den Fluten gestanden und sollte nicht mehr eingesetzt werden. Für 100 DM konnten wir ihn kaufen. Das war für uns beide sehr viel und „Tante Olli“ entschied, dass das Auto mit 20 DM im Monat abgezahlt werden könnte. Mit kleinen Gefälligkeiten könnten wir auch die Summe reduzieren. Also brachte ich öfter mal die Post der Firma Rehder weg oder machte Einkäufe. Der VW Käfer war noch ganz gut in Schuss. Es fehlte zwar der Beifahrersitz (der war ausgebaut worden, um auch Kisten transportieren zu können), aber einen Wasserschaden hatte der Wagen nicht. Meister Wilhelm Bähr von Mercedes-Bock nahm sich des Wagens an und sah alles durch. Alles prima entschied er, wir konnten ihn in Besitz nehmen. Wir waren mächtig stolz: ein eigenes Auto! Das hatte was. Der Wagen wurde auf den Namen meines Freundes angemeldet und behielt das Autokennzeichen IZ –R 294. Ein neuer Beifahrersitz ließ sich auch noch finden und wurde eingebaut. Nur Geld für Benzin war nicht vorhanden. Also wurde der VW-Käfer kurzerhand von uns „verliehen“. Ein Wochenende Leihgebühr brachte 15 DM, ein Tag 5,00 Mark. Es läpperte sich. Ich machte natürlich heimlich die ersten „Fahrstunden“ auf „unserem Käfer“ auf dem Firmengelände der Firma Rehder. Das war so erfolgreich, dass ich meinen Führerschein dann später nach nur sieben Fahrstunden bestand. Wir haben unser „Flutauto“ noch einige Jahre gefahren und damit Reisen nach Dänemark (zu meiner Schwester), in die Schweiz und nach Holland gemacht. 

Das Foto zeigt mich in der Schweiz bei der Vorbereitung eines „Picknicks“.

 

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Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Picknick, Sturmflut

Jahr

1962

Ort

Itzehoe

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