Mein erstes Auto: Gutbrod Superior

[Titel und Untertitel

Gutbrod Superior mit 34 PS

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Ersteller und Datum

Erstellt von Peter Burgdorff am 31.05.2016

Autor dieses Beitrags

Peter Burgdorff

Haupttext

Unser erstes Auto

Das Geld war noch sehr knapp im Jahr 1953. Die ersten Ersparnisse nach dem Krieg und der folgenden Währungsreform 1948 galten anderen Anschaffungen als einem Auto. Dennoch war die Sehnsucht nach einem fahrbaren Untersatz allgegenwärtig. Vater hatte doch schon vor dem Krieg die ersten Sparraten auf einen Volkswagen getätigt. Die waren futsch. Also musste das Geld erneut zusammengetragen werden

 Vater hatte seinen Führerschein während seiner Gefangenschaft in England erworben, durfte damit in Deutschland aber nicht fahren. Das sollt aber schnell nachgeholt werden. Ich aber hatte den Führerschein gleich nach meiner Lehre von den ersten Gesellengehältern erspart.

Nun hatte Vater das Geld und ich den Führerschein. Wie viel Auto konnte man von dem bescheidenen Budget erwerben? Ein „Neuer“ kam nicht infrage – viel zu teuer! Übrigens: auf einen neuen Volkswagen musste man ohnehin mindestens zwei Jahre warten. Das führte zu der kuriosen Situation, dass ein „Gebrauchter“ teurer war als ein „Neuer“. Also mussten wir uns auf die Suche nach einem finanziell und den Wünschen entsprechendem Passenden begeben. Dabei blieben Loyd (Plastikbomber genannt), BMW – Isetta, Arabella, Messerschmidt (Kabinenroller) in der Auswahl

 Da fiel uns ein schönes Cabriolet auf: ein Zweisitzer, Zweitakter mit 34 PS von dem Hersteller GUTBROD. Die bauen heute nur noch Rasenmäher! Wir konnten ihn bezahlen (Finanzierung war noch weitgehend unüblich!) Das war wichtig und hübsch anzusehen war er allemal..

 Vater – noch ohne gültigen Führerschein – bezahlte und fuhr mit der Eisenbahn wieder nach Haus, während ich mit jungem Drang und frischem Mut in die Großstadt zur Arbeit fuhr. Leider hatte ich nicht daran gedacht, bei der Übernahme nach technischen Details zu fragen was sich später als Fehler erweisen sollte.

 Es war Winter.

 Als ich nach Feierabend nach Hause fahren wollte, war das Wetter umgeschlagen. Eisregen hatte mein schönes Gefährt mit einer dicken Lasur überzogen. Mit ein paar Eimern heißen Wassers ließ sich das Problem aber lösen. Die Türen ließen sich wieder öffnen

 Es war jedoch nicht nur mein Auto so dick verzuckert, nein, die Straßen waren natürlich auch vom Eis überzogen. Das hatte ich nun überhaupt nicht bedacht. Frei von irgendwelchen Bedenken

setzte ich mich ans Lenkrad und fuhr los. Mich verblüffte, dass alle anderen Verkehrsteilnehmer sich nur sehr langsam fortbewegten. Warum bummelten die da vorne eigentlich? Ich wollte doch auf dem Nachhauseweg meine neue Errungenschaft zuerst meiner Freundin präsentieren.

 Der Verkehr war aber insgesamt noch nicht so stark, dass ich meine Bremse hätte betätigen müssen. So zuckelte ich mit dem Tross langsam und mit fast gefrorenen Händen gen Heimat. Es war sehr kalt in meinem Cabrio. Das es auch eine Heizung gab, blieb bei der Übergabe ebenfalls unerwähnt.

 Als ich endlich abbiegen konnte, hatte ich die Kurve wohl ein wenig zu knapp angesteuert. Das Auto rutschte hinten leicht in Richtung Graben. Ein vorhandener Grasrand und ein in solcher Lage unschätzbarer Frontantrieb brachten mich wieder in die Spur.

 Mit einem „großen Bahnhof“ wurde ich zuhause empfangen. Alle freuten sich, dass ich unversehrt mein Ziel erreicht hatte. Im Radio war immer wieder vor der Gefahr des Eisregens und der Glätte gewarnt. Es waren schon allenthalben Unfälle passiert. Mir hatte das alles nichts ausgemacht Meine Unerfahrenheit und Ahnungslosigkeit hatten alle Gefahrenquellen ignoriert. Mein Gutbrod und ich hatten die Jungfernfahrt mit Bravour überstanden.

Ein paar Tage später

 Mutter musste ja nun auch mal ausgefahren werden. Der kleine Zweisitzer ließ keinen Familienausflug zu. „Lass´ uns beide man nach Meldorf fahren. Da möchte ich schon so lange wieder mal hin. Da bin ich als Kind groß geworden.“ Das war ein Vorschlag, der sich umsetzen ließ

 Es war immer noch Winter. Die Sonne schien freundlich- unschuldig vom Himmel bei minus 5° C.

 Als wir bei Wilster auf die Nebenstraße abbogen, lag noch ein wenig Schnee auf der Fahrbahn. Im nächsten Dorf liefen die Kinder auf der Straße Schlittschuh. Mutter und ich waren guter Dinge. Sie erfreute sich an der schönen Welt, die ihr nun geboten wurde und ich erfreute mich meiner Fahrkunst, ohne auch nur im Ansatz daran zu denken, welche Gefahren bei der Glätte uns begleiteten.

So kutschierten wir sorgenfrei gen Meldorf.

 Auf der abendlichen Rückfahrt hatte Mutter sich ordentlich in eine Wolldecke eingewickelt. Es war empfindlich kalt im Wagen.

 Draußen kam Nebel auf. Das erschien mir unangenehm, weil er sich auf die Windschutzscheibe legte und dort gefror. Die Scheibenwischer ignorierten ihren eigentlichen Auftrag und glitten nur so über das Gefrorene. Die Nase dicht an der Scheibe, immer wieder ein kleines Loch pustend, mit den Handschuhen wischend, so ging es jeweils ungefähr einen Kilometer. Dann rechts ran, aussteigen und von außen kratzen. So haben wir 2 Stunden bis Itzehoe gebraucht. Dort wurde es besser mit dem Nebel und wir konnten uns bibbernd vor Kälte nach Haus bewegen.

 Im Nachherein muss man wohl den Schutzengeln auf dem Rücksitz Dank zollen. Sie haben uns sicher nach Haus begleitet. Wir haben zu ihrem Gedächtnis dann unsere Geister und Gliedmaßen mit einem heißen Grog aufgetaut.

 Dass dieses. Gefährt und unser Verkäufer, der alte Johann Lienau, uns die Beheizbarkeit verheimlicht hat, steigerte daraufhin den Wert erheblich. Nun war es erst ein „richtiges“ Auto. So unterschied sich nun auch das Auto Gutbrod vom gleichnamigen Rasenmäher!

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So sah er aus

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