Kultur, Literatur und Kunst: Gottorf

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Gottorf

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Ersteller und Datum

Erstellt von GeZeiten Redaktion am 10.08.2011

Autor dieses Beitrags

Ingrid Greve

Haupttext

Anlässlich einer Tagung in der Akademie Sankelmark über die Lieblingsstücke von Museumsdirektoren, erzählte Dr. Fitschen, Leiter der Gottorfer Sammllungen, einiges aus der jüngeren Geschichte von Gottorf. Eine einschneidende Begebenheit aus dem Jahr 1945 erinnerte mich an eigene Erlebnisse in Schleswig zu der Zeit. - 50 LKW's waren in den Schlosshof gefahren und hatten Kunstschätze aus allen Ausstellungsräumen in einer Blitz­aktion eingeladen und nach Kopenhagen gebracht.

Das wussten wir damals nicht, nur, dass in die nun leer geworde­nen Räume hunderte "displaced persons", Menschen aus den balti­schen Ländern, eingewiesen wurden. Wir waren als junge Mädchen das Helfen gewohnt, gehörten wir doch in der letzten Kriegszeit zum " Kriegshilfsdienst". Eine weisse Binde um den Arm kennzeich­nete diese Funktion. So fuhren wir täglich mit dem Rad zum Bahn­hof, um ankommenden Flüchtlingen zu helfen. In unserem Fall suchten wir uns alleinstehende alte Frauen aus, um sie mit Sack und Pack, den wir auf den Rädern verstauten, zu ihrer neuen Bleibe zu bringen.Vorher hatten wir im "Ostpreussenviertel" ,

und machmal die Eigentümer überzeugt, jemanden aufzunehmen. Oft wurden die Frauen mit Kuchen empfangen oder sie waren in der Familie als Ersatzoma willkommen. Einigen wurde die Ein­quartierung auch listig, aber inner noch besser für sie als eine Familie zugeteilt zu bekommen.

Nachmittags ging ich in die Wilhelminenschule, in der viele Flüchtlingsfamilien untergebracht waren. Mit den Kindern veranstaltete ich auf dem Pausenhof Spiele, während meine Klassenkameradinnen die Hoover-Speisung austeilten. Da die Schule ein halbes Jahr geschlossen war, weil sie zum Lazarett umfunktioniert wurde, besuchten wir abends Stenografie- und Schreibmaschinenkurse. Diese Fertigkeiten helfen mir heute noch, um die Tastatur meines laptops zu bedienen.

Beim Bericht von Dr. Fitschen erinnerte ich mich daran, wie wir den Flüchtlichen im Schloss das Essen austeilten und beim Saubermachen halfen. Eine lettische Dame erzählte mir von ihrem Sohn, einem Kunststudenten, der nun keine Farben und Pinsel mehr hätte. Ich brachte ihr meinen Zeichenblock und einen Tusch­kasten mit Wasserfarben. Später zog sie in unser Mietshaus und ihr Sohn malte mir ein Aquarell mit Kuckuckslichtnelken, das ich heute noch habe.

Für uns, die wir den Krieg nicht hautnah erlebt hatten gab es zu der Zeit auch positive Erlebnisse, besonders mit den Kindern, die beim Spielen für Stunden alles Schlimme vergessen konnten.

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Jahr

2011

Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Flüchtlinge, Geschichten

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