Krieg und Kriegsende: Ein trauriges Weihnachten für die Erwachsenen

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Ein trauriges Weihnachten für die Erwachsenen

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Ersteller und Datum

Erstellt von GeZeiten Redaktion am 08.04.2011

Autor dieses Beitrags

Ellen Köhler

Haupttext

An Heilig Abend hatten wir mittags noch keinen Weihnachtsbaum. Meine Mutter war ganz traurig und wusste nicht, wie man eine weihnachtliche Stimmung in den Raum zaubern könnte.

Ich war vor der Feier zuhause bei meinen Großeltern gewesen. Sie wohnten in Schönwalde; mitten im Wald. Mein Großvater war dort bei einem großen Gut Hausmeister. Vom Bahnhof aus musste man mitten durch den Wald.

Ich erinnere mich noch genau, der Schnee lag sehr hoch und meine Fußstapfen waren die einzigen und ich sang den ganzen Weg laut vor mich hin, denn es war ganz schön unheimlich und ich dachte: „Wenn ich singe, passiert mir nichts!“ Es war wie ein Märchenwald.

Da kam an unserem Fenster der Förster von Lübben vorbei, hatte einen Weihnachtsbaum und sagte: „Ihr habt ja sicher noch keinen Weihnachtsbaum – ich bring Euch einen.“

Er hat uns dann einen gebracht und wir schmückten ihn mit allem, was wir noch so hatten. Meine Mutter hat dann den ganzen Abend mit dem Rücken zum Baum gesessen und an Vater gedacht – das war für uns Kinder sooo schlimm!

Vorher sind wir noch in der Kirche gewesen; dort saßen dann alle Mütter mit ihren Kindern und weinten. Ich habe das als Kind gar nicht verstanden; es war doch Weihnachten, das war doch toll!

Zuhause angekommen, gab es dann so ein paar olle Plätzchen – keine Ahnung, wo meine Mutter die hergezaubert hatte.

Mein Bruder bekam ein Holzpferd und bei mir waren die Puppen neu angezogen – das war das Größte! Und überhaupt fand ich das Weihnachten so, so schön! Ich wusste, der Krieg ist vorbei, uns kann nichts mehr passieren.

Wir waren damals arm wie die Kirchenmäuse aber es war Ruhe in der Luft. Das war damals für mich soo wichtig.

Das Holzpferd hatte mein Bruder noch lange, schon als der Kopf fehlte. Aber die wunderbaren Bilder, die es davon gab, sind bei der Flucht verloren gegangen.

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Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

olle Plätzchen, Tränen, Trauer, Weihnachtsbaum

Jahr

1946

Ort

Spreewald

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