Eingebettet in saftige Koppeln,
wo die Kaninchen und Hasen hoppeln,
umrahmt von Knicks, das Reich vieler Tiere,
liegt Kalleby, das Dorf, das ich liebe.
Als Kind wurde ich einst hierher verschlagen
mit Eltern, Geschwistern und leerem Magen.
Die Kälte pfiff durch mein dünnes Kleid
in der stillen Vorweihnachtszeit.
Struves nahmen uns freundlich auf.
Hier begann für mich ein Zeitablauf
bei den Bauern, Tieren und Knechten,
den ich nie mehr missen möchte.
Wir waren nicht die einzigen Gäste,
die Wohnung hier fanden vor dem Feste.
Viele Heimatlose nahm auf das Dorf.
Unsere Öfen heizten wir mit Holz und mit Torf.
Im Frühling wurden die Koppeln gepflügt,
das Korn eingesät, das nicht lange liegt.
Bald wuchsen aus der schwarzen Erde
Weizen, Roggen, Hafer und Gerste.
Melker trieben mit großer Müheauf die Kleekoppeln die roten Angeliter-Kühe.
Morgens und abends haben sie sie gemolken
bei Sonne, Wind und Regen aus den Wolken.
Frische, warme Milch füllte die großen Kannen,
die sie nach dem Melken auf den Wagen schwangen.
Den Wagen zogen schwere Pferde
über die duftende, reich blühende Erde.
Bei der Meierei ich unsere Milch dann holte,
bei Bäcker Claußen Brötchen und Brote.
Nährmittel gab es bei Thomsen und Hansen,
Fleisch und Wurst bei Schlachter Brodersen.
Später zogen wir an das andere Dorfende.
Zu Jürgensens Bauernhof lief ich behende,
zu spielen dort mit den vielen Kindern.
Frau Jürgensen wollte uns nicht daran hindern.
Sie liebte das Lachen, Spielen und Toben
von den kleinen Mädchen und den Buben.
Das ganze Grundstück war für uns frei,
für unsere abwechslungsreiche Spielerei.
An der Turnstange wir unsere Geschicklichkeit übten.
Im Dunkeln wir das Versteckspiel liebten.
Auch zogen uns die Ställe in ihren Bann
mit Pferden, Rindern, Hühnern und Hahn.
Die Enten schwammen auf dem großen Teich.
Das Wasser war an Fröschen und Kaulquappen reich.
Tauben schwangen sich in luftige Höhe.
Dies Idyll erquickte zutiefst meine Seele.
Georg und Hans-Henning, die beiden Buben,
Elisabeth und Ingeborg kamen aus den Stuben.
Sie tummelten sich mit uns auf dem grünen Rasen.
Wir sprangen herum, wie auf dem Feld die Hasen.
Hier war der Dorfjugend Paradies,
weil man uns hier spielen ließ.
Diese Erinnerung lebt ewig in uns fort,
leben wir auch heute an einem anderen Ort.
Wollten wir in der Ostsee baden,
mussten wir uns durch die Horstkoppel wagen.
Durch diesen wunderbaren Buchenwald
kamen wir an die Steilküste bald.
Schnell waren ausgezogen Kleid und Hosen
und hingelegt zu den duftenden Heckenrosen,
die wuchsen an dem Ostseestrand.
Unsere Zöpfe bändigten wir mit ‘nem Band.
Herrlich konnten wir in den Wellen toben.
Um den Seetang machten wir einen großen Bogen.
Einer fing Krebse zwischen den Steinen,
andere suchten nach Donnerkeilen.
Und waren wir auch noch so klein,
ganz glücklich kamen wir abends heim.
Geworfen hatten wir uns mit Kletten.
Abends fielen wir müde in unsere Bette.
Wir sammelten Pilze, holten Himbeeren aus dem Wald,
pflückten Brombeeren und Fliederbeeren. Mutter kochte sie bald.
In den Gärten blühte die Sommerblumenpracht.
Fledermäuse jagten zickzack durch die Nacht.
Im Herbst wurde die Ernte eingefahren
mit Pferden vor dem vollen Ährenwagen.
Wir stoppelten hinterher nach den Kornähren,
um damit unseren Brotvorrat zu vermehren.
Das Korn brachten wir zu Bäcker Claußen,
der uns Brot dafür gab, das wir aßen zu Hause.
Auch nach Kartoffeln suchten wir nach der Ernte,
lag auch der Winter noch in einiger Ferne.
Bald zogen die Vögel über uns hinweg in den Süden.
Auf den Stoppelfeldern ließen wir unsere Drachen fliegen.
Bunte Blätter wirbelten zitternd durch die Luft.
Frischgepflügte Erde verbreitete würzigen Duft.
Dann kam der Winter mit Raureif und Eis.
Und durch die Lüfte schwebten ganz leis’
schwerelos die ersten weißen Schneeflocken.
Wir brauchten warme Mäntel, Schuhe und Socken.
Warm war jetzt nur die Stubenluft,
die ganz erfüllt war von Kuchenduft.
Langsam ging es auf Weihnachten zu.
Die Tiere hatten im Stall ihre Ruh.
Kalleby, das Dorf meiner Kindheit,
in Angeln gelegen, ist so weit.
Lang’ schon bin ich von dannen gezogen
auf den wechselvollen Lebenswogen.
Doch komme ich immer gern zurück
dahin, wo ich verbrachte mein Kindheitsglück:
zu den netten Menschen, die dort noch wohnen,
die mich mit Freundlichkeit und Liebe belohnen.
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ISBN 978-3-8175-0392-6