Krieg und Kriegsende: Mobiliät bei Kriegsende

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Mobiliät bei Kriegsende

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Erstellt von GeZeiten Redaktion am 16.04.2010

Autor dieses Beitrags

Horst Kantak

Haupttext

Oktober 1945 im Holzfällerlager Boostedt. Noch sind wir Kriegsgefangene. Als wir von der Arbeit zurückkommen, werde ich vom Leiter des Lagers angesprochen: „Sie, kommen Sie doch mal her. In der DRK-Suchzeitung wird ein „Kantak“ von seinen Eltern gesucht.“ Das Herz schlägt höher. Die Eltern leben und sind in Rendsburg im Lager Fockbek. Aber wo liegt Rendsburg und wie komme ich dort hin. Am nächsten Tag die Mitteilung. Ich darf am nächsten Wochenende nach Rendsburg fahren. Inzwischen holt der Lagerleiter eine Bescheinigung von der englischen Militärverwaltung und eine Fahrgenehmigung. Mit diesen Bescheinigungen in der Brieftasche und einem klopfenden Herz in der Brust gehe ich am Samstag in der Frühe vom Lager zum Bahnhof Neumünster. Zwei Schalter sind auf. Ich bekomme einen Stempel auf die Bescheinigung, die der Schalterbeamte nicht lesen kann, da sie in englischer Sprache geschrieben ist. Er murmelt etwas von „Vorsicht“ und „Sperrgebiet bei der Hochbrücke“. Dann sitze ich im Zug, zum ersten Mal nach dem Krieg. Nach gut einer Stunde wird mir mulmig, da fährt der Zug auf eine Brücke. Und auch eine englische Militärstreife kommt durch den Zug. Aber meine Papiere sind wohl in Ordnung, sie werden abgezeichnet und ich bekomme sie zurück. Erleichtert schaue ich aus dem Fenster, wir sind auf einer hohen Brücke. Was erwartet mich in Rendsburg. Trümmer wie überall. Ich frage nach dem OT-Lager Fockbek. Ja, da müsste ich schon zu Fuß hingehen. So komme ich in die Stadtmitte. Vor den Geschäften stehen die Frauen nach Lebensmitteln an. Und dann ist dort ein Kopf, ein Blondkopf, den ich nie vergessen werde, meine Schwester. Und neben ihr steht meine Mutter. Es ist ein Fischgeschäft, das auch heute noch besteht. Nach rund 1000 Kilometern Flucht haben sich hier meine Schwester und die Eltern auch wieder gefunden. Nein, in Fockbek sind sie nicht mehr, sie wohnen in Hamdorf bei Bauer Wulf. Ich kann bis Montag bleiben. Kann aber dann bald aus der „Kriegsgefangenschaft“ nach Hamdorf entlassen werden. Aber wie kommt man nach Hamdorf hin? Morgens um 7 Uhr fährt ein Bauer mit einem großen Wagen von Hamdorf nach Rendsburg und am Nachmittag fährt er wieder zurück. Für 50 Reichspfennige dürfen die Leute mitfahren. Oder man kann auch über Elsdorf zu Fuß gehen. Aber meine Mutter und meine Schwester hatten eingekauft, hatten schwere Netze zum Tragen und so fuhren wir mit dem Pferdewagen mit. Kurz vor Weihnachten wurde ich nach Hamdorf entlassen. So kam es, dass ich doch des Öfteren nach Rendsburg musste. Inzwischen fuhr nun auch ein Motorboot als Eiderfähre von Breiholz nach Rendsburg. Da ich immer noch kein Fahrrad hatte, musste ich längere Strecken zu Fuß gehen. Und wir zogen nach Hamdof-Weide. Hier gab es einen Schrotthändler. Der hatte auch Kühe und meine Eltern bekamen heimlich, ohne Lebensmittelkarten, so manchen Liter Milch von der Frau. Und ich bekam gegen ein kleines Entgelt mein erstes Fahrrad nach dem Krieg. Zusammen mit den Söhnen vom Bauer Reiner konnte ich nun auch zu den Tanzvergnügen mit dem Rad fahren. Schwierig wurde es immer, wenn wir nach Breiholz wollten. Auf der Hinfahrt ging es, weil dann die Zugfähre noch in Betrieb war. Dann hieß es „Fährmann komm rüber“. Wir halfen dann auch beim ziehen. Aber nachts war da nur das Boot. Da mussten Absprachen getroffen werden. Schlimm wurde es einige Wochen später, als mein Schwager aus Berlin zum „Hamstern“ kam. 60 Eier hatte er von den Bauern von Hamdorf-Weide bekommen. Dazu vier lebende Kaninchen, Mehl und Kartoffeln. So fuhren wir mit einem Handwagen von Hamdorf-Weide über die Eiderfähre bis zur Breiholzer Kanalfähre. Dort war nicht ein Passagierdampfer, der nach Hamburg fuhr. Von dort musste er mit seinem Gepäck zum Hauptbahnhof. Geschwitzt hat er dann, als er durch die russische Zone fuhr. Die 60 Eier waren im Doppelboden der Kaninchenkisten versteckt. Und Kaninchen zu befördern war auch in der russischen Zone nicht verboten. Er bekam alles gut nach Hause. Und wir bekamen einige Zeit darauf die DM und auch wieder normale Verkehrsverhältnisse.

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Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Kriegsgefangene, Lager

Jahr

1945

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