Krieg und Kriegsende: Meine Erinnerung an Luise

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Meine Erinnerung an Luise

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Ersteller und Datum

Erstellt von Sabrina Böhmer am 09.12.2015
Zuletzt bearbeitet am 09.12.2015

Autor dieses Beitrags

Karin Böhl

Haupttext

Ich wurde im März 1939 in einem kleinen Dorf im Kreis Segeberg geboren. Mein Vater hatte einen Zimmerei-und auch Tischlereibetrieb. Nebenbei betrieb er noch eine kleine Landwirtschaft. 

Eine Kuh, Schweine, Gänse, und Hühner gehörten auch dazu. Darum musste meine Mutter  sich kümmern. Im Sommerflur ich ganz früh am Morgen mit dem Fahrrad zum melken von Franziska, unserer Kuh. Von  meiner Mutter liebevoll Zissie gerufen. Ich liebte eigentlich alle Tiere, nur vor Kühen  hatte ich Angst. 

Erst wenn meine Mutter sich auf den Melkschemel setzte, lief ich schnell über die Wiese, um für die Kuh Wasser zu. pumpen.

Mein Vater wurde anfangs nicht in den Krieg eingezogen. Wenn er in seiner Werkstatt arbeitete, suchte ich die abgefallenen Holzklötzen zum Spielen raus. Dann wurde mein Vater dienstverpflichtet und arbeitete auf dem Munitionsdepot in Boostedt. Wir erhielten für meine Mutter eine Unterstützung bei der Landwirtschaft, ein so genanntes Land-Dienstmädchen. 

Als erstes kam Gertrud aus Hamburg. Da ich Bücher über alles liebte, schenkte sie mir zum Abschied das Buch: „Wie Engelchen seine Mutter suchte“. Es gefiel mir so gut, dass ich es immer wieder vorlesen liess. Schließlich könnte ich es auswendig. 

Ja, und dann kam Luise aus Kiel. Ich weiß nicht mehr genau, aber ich schätze Sie war circa 15 Jahre alt. 

Als meine Eltern einmal eingeladen waren, wollte sie ihnen eine Freude machen. Sie sagte zu mir: „Weißt du was, wir waschen das schmutzige Schwein.“ Wir suchten Seife und einen Schrubber. Einen Eimer mit Wasser und dann ging es los. Angetan stehen das Schweigen stand ganz still und sage dem Putz wie ein rosa Marzipan Schwein aus. Als meine Eltern wieder kam, zeigte Luise Ihnen ganz stolz das saubere Schwein. Mein Vater lachte laut los. Meine Mutter rief: „Meine kostbare Seife!“ An die Seife, die in den Kriegsjahren schwer zu beschaffen war, hatte Luise nicht gedacht. 

Viele Jahre später, meine Eltern waren beide verstorben und ich hatte das Haus verkauft, kam ein Brief von Luise an meinen Vater gerichtet. Er wurde mir ausgehändigt. Sie schrieb, sie wäre mit ihrem Sohn am Haus vorbeigefahren und hätte nur junge Leute auf dem Grundstück gesehen, Aber sie habe sich nicht getraut nachzufragen. Ich rief sie an und fragte unter anderem auch, ob sie sich an das gewaschene Schwein erinnern könne. Sie hatte diese lustige Episode leider vergessen.

Leider habe ich nie wieder etwas von ihr gehört.

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links Luise, dann meine Mutter und ich, meine Tante und meine Oma

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Jahr

1939

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