Krieg und Kriegsende: Meine Memoiren

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Meine Memoiren Eine Lebensgeschichte in mehreren Teilen (VII)

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Ersteller und Datum

Erstellt von Sabrina Böhmer am 16.08.2015
Zuletzt bearbeitet am 15.09.2015

Autor dieses Beitrags

Hans-Christian Hansen

Haupttext

Plötzlich kam meine Frau und sagte, ich müsse unbedingt da bleiben, denn in der Küche säßen zwei Polizisten. Sie haben aber nur nach Tabak gefragt.

Mit den Tabak war es genauso traurig bestellt, wie mit den anderen Genussmitteln. Jeder bekam eine Raucherkarte von der Gemeindeverwaltung zugestellt. Aber die Zuteilung reichte nicht aus. Wer Nichtraucher war, tauschte seine Karten gegen etwas anderes ein. Wir haben dann etwas Tabak selbst angebaut. Aber auch hier durften die Pflanzen eine gewisse Zahl nicht überschreiten. Bei Überzahl wurde der Rest vernichtet. Um bei der Kontrolle nicht erwischt zu werden, wurde der Tabak oft mitten in einen Kornfeld angepflanzt.

Wenn die Blatter groß genug waren, wurden sie abgepflückt und zubereitet, was eine komplizierte Sache war. Wenn die Blatter alle waren wurden die Stengel gekocht, getrocknet und geraucht. Es war ein Teufelszeug. Sogar Buchweizenkaffee wurde geraucht, und auch andere Blatter. Bei mir in der Werkstatt saß nal der alte Carsten Christiansen auf der Werkbank und rauchte seine Pfeife. Wie ich an ihm vorbeiging, sagte ich: "Mensch wonach stinkt es hier", worauf er antwortete:" Es kann mein Tabak sein, denn ich hatte keinen Tabak mehr, und da habe ich Nierentee genommen.

Nicolai Carlsen machte den besten Tabak, geschnitten hat er ihn mit der Häckselmaschine, womit man ansonsten Pferdefutter schneidet. Also, man sieht, Not macht erfinderisch. 

Als die Arbeit begann, nahm ich einen großer. Marmeladeneimer und befestigte am Deckel ein Zuckerrohr, das in Schlangen gebogen war. Diese Schlangen lagen in einen mit Wasser gefülltem Behälter. Der Dampf zog durch das Kupferrohr und wurde durch das Kühlwasser wieder flüssig. Also der erste Versuch sollte starten. Die Gerste wurde mit Hefe angesetzt und zum Garen gebracht. Nach 3-4 Tagen wurde die Geschichte in Angriff genommen und zwar bei Lorenz Hansen, auf dem Küchenherd. Gespannt warteten wir auf die ersten Tropfen, die aus unseren Kühlrohren kamen. Die Enttäuschung war aber groß, denn was dort heraus kam, war fast so wie Jauche. Das Experiment war umsonst. .Nach kurzer Zeit kam Lorenz wieder mit dem Bescheid, dass die Gerste gemahlen sein musste. Also noch mal. beim Garen kamen ab und zu Blasen aus der Maische heraus, und wir meinten, diesmal konnte es glucken. Wir füllten die Maische in den Marmeladeneimer, Deckel rauf, Klammer übergeben und damit aufs Feuer in der Küche von Lorenz und seiner Frau Magda. Wie das Zeug zu kochen anfing, heb sich trotz Klammer an einigen Stellen der Deckel und die dicke Grütze flog in der Küche herum bis an die Decke. Selten habe ich einen Menschen so lachen sehen, wie Magda die sich auf der. Fußboden geschmissen, und sich vor Lachen den Bauch festhielt. Die Maische war auch angebrannt. Es stank fürchterlich. Said darauf wurde uns bekannt, dass man aus Zuckerrüben. auch Schnaps brennen kann. Der 3. Versuch startete. Die Rüben wurden geschnitten, gekocht und ausgepresst, und diese Flüssigkeit zum Garen gebracht. Nach 4 Tagen wurde gebrannt. Was dann heraus kam, schmeckte doch ein wenig nach Alkohol. Der Sohn Christian stand dabei, er war damals 11-12 Jahre. Wie die ersten Tropfen aus dem Rohr kamen, hielt er einen Löffel darunter und sagte zu seiner Schwester: "Schmeck mal Irmgard, das ist was für einen Anfänger". Wir haben alle gelacht, und gesagt, daß es bei verbotenen Spielen auch viel Spaß gibt. Wir hatten jetzt jedenfalls die Gewissheit, dass man selbst Alkohol herstellen kann, und ich befasste mich mit dem Bau eines besseren Apparates. Ich benutzte hierfür einen alten 5 Liter Wasserkessel, lotete den hatte ich noch ein kurzes Rohr zum füllen eingelötet, wo ich dann einen Korken hineindrückte. Zum Garen hatte ich Zucker, Honig, und selbstgekochten Sirup hingestellt, und wollte mir zum Osterfest einen Schnaps brennen. Ich hatte alles vorbereitet, und bei uns zu Hause in der Küche alles auf den elektrischen Herd gestellt, damit ich das Kochen genau regulieren konnte. Der Kessel fing an zu kochen, aber es kam nichts aus dem Rohr heraus. Ich hatte Angst, daß die Geschichte explodierte, ich löste den Korken. Dann spritzte die heiße Flüssigkeit bis an die Decke, so daß unsere ganze Küche klebrig war. Wir probierten die Angelegenheit so lange aus, bis wir es endlich raus hatten, wie es gemacht wurde.

Ich verkaufte damals an meine Kunden auch Bindegarn aus Papier, und dann gab es noch Bindegarn, dass so aussah wie Seide. Bald hatten unsere Frauen spitz, dass man aus diesem Garn Bekleidungsstücke, Gardinen, Teppiche stricken oder häkeln konnte. Das Geschäft mit den Garn blühte. Prompt hatte mich der Lehrer wieder angezeigt. Beim Bürgermeister wurde nachgefragt, ob es mit den Bindegarn alles seine Richtigkeit hätte, denn es war ja an und für sich für die Kornernte gedacht. Er berichtete an den Kreisbauernverband dass alles seine Richtigkeit hätte.

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Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Tabak

Jahr

ca. 1940

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