Krieg und Kriegsende: Meine Memoiren

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Meine Memoiren Eine Lebensgeschichte in mehreren Teilen (III)

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Ersteller und Datum

Erstellt von Sabrina Böhmer am 05.08.2015
Zuletzt bearbeitet am 15.09.2015

Autor dieses Beitrags

Hans-Christian Hansen

Haupttext

Mein großer Wunsch war eine eigene Existenz zu gründen. Wir waren sehr sparsam. Wenn ein wenig Geld da war, haben wir uns immer was dafür angeschafft. Es bestand damals die Möglichkeit, eine Ehestandsdarlehen zu bekommen; und zwar 1000 RM. Für jedes geborene Kind  wurden 250,- RM abgezogen. Zur Hochzeit hatten wir von den Großeltern meiner Frau 100,- RM bekommen. Ein Sparbuch mit 1400,- RM bekamen wir von ihnen auch. Nachdem 1924 eine Inflation war, wurde das Geld aufgewertet,so dass zu unserer Hochzeit nur noch vier Reichsmark 20 auf den Konto stand. 

Der Antrag auf Ehestandsdarlehen wurde abgelehnt. Es bestünde wohl nicht die Möglichkeit, dass ich das Geld zurück bezahlen könne. Für 100 Reichsmark kauften wir dann Gebrauchtmöbel. Ein Sofa, vier Stühle, eine Wanduhr, ein Küchentisch und zwei Küchenstühle.

Im Mai 1934 kaufte ich die Schmiede mit Mühle in Bramstedt, wohin wir im Juni zogen. Der Kaufpreis war 5500 Reichsmark; das war an für sich nicht viel. Ich musste 1000 Reichsmark anzahlen; 4000 Reichsmark liefen dann auf Wechsel und 500 Reichsmark blieben erst mal beim Verkäufer stehen, die ich nebst Zinsen zurückzahlen musste. Das wohl ein Zeichen dafür, dass Deutschland sich in einer Krise befand.

Dann fingen wir in Bramstedt unsere Arbeit an. Mit drei Reichsmark 50 sind wir von Weesby nach Bramstedt gezogen. Am nächsten Tag musste ich drei Reichsmark Krankenbeitrag für meine Frau bezahlen. Ich selbst war nicht krankenversichert, weil ich versäumt hatte, nach meiner Pflichtversicherung freiwillig weiter Versicherung zu zahlen. Nach dem wir längere Zeit in Bramstedt wohnten, erfuhren wir, dass die Nachbarn vor unserem Haus ein Hakenkreuz in den Sand gemalt hatten, weil scheinbar ein großer Nationalsozialist eingezogen war. Das kam daher, weil ich an dem Tag als ich die Schmiede kaufte, in Sabrina-Hosen unterwegs war.Warum ich die gelbe Hose angezogen habe, möchte ich kurz erklären. Man Man wußte damals nicht, wer der NSDAP angehörte und wie die Leute politisch eingestellt waren. Deswegen zog ich nicht die volle Uniform an, sondern nur die Hose.

Im Juni 1934 waren wir im Bramstedt eingezogen. Lebensmittel hatten wir für die erste Zeit von meinen Eltern bekommen; geschlafen haben wir erst auf Strohsäcken.

Wie erwähnt, hatte die NSDAP Ende Januar 1933 die Regierung in Deutschland übernommen. Die wirtschaftliche Lage fing an, besser zu werden, Es gab wieder Arbeit, Aber wir hatten eben eine Diktatur und wer sich gegen die Partei aufgesetzt hatte, hatte es schwer. Viele Menschen wurden kaltblütig umgelegt. Am schwersten hatten es die Juden die von Haus und Hof gejagt wurden. In vielen Familien wurde die gesamte Einrichtung demoliert und die Bewohner eingesperrt. Diese Angelegenheiten kamen nicht an die Öffentlichkeit, Sie wurden von der SS ausgeführt. Aber etwas sickerte doch immer durch. Hier in Bramstedt verhielten sich die Leute ziemlich ruhig., bis auf einige, die fanatisch waren, so dass man sich in Acht nehmen musste. Bei mir in der Werkstatt wurde viel über Politik gesprochen; mir fiel es oft schwer, den Mund zu halten aber ich war noch jung und ich musste mich fügen, weil ich ja noch viel vor mir hatte und weiterkommen wollte.

Immer wieder stellte ich den Antrag bei der Handwerkskammer um Zulassung zur Hufbeschlagschule, aber alle Gesuche wurden abgelehnt. So ging das Leben weiter und ich musste jeden Tag mit Anzeigen rechnen.

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Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Alltag, Repressalien

Jahr

1933

Ort

Bramstedt

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