Krieg und Kriegsende: Meine Memoiren

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Meine Memoiren Eine Lebensgeschichte in mehreren Teilen (II)

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Ersteller und Datum

Erstellt von Sabrina Böhmer am 05.08.2015
Zuletzt bearbeitet am 15.09.2015

Autor dieses Beitrags

Hans-Christian Hansen

Haupttext

Im Juni 1911 wurde ich als letztes von sechs Kindern geboren. Durch Fleiß und Energie meiner Eltern hatten sie selbst über die Jahre 1900-1924 den landwirtschaftlichen Betrieb von 5 auf 40 ha vergrößern. Aus dem Grunde ist es verständlich, dass wir immer sparen, wir Kinder schwer mitarbeiten mussten.

Am 1. August 1914 wurde mein Vater, nach Ausbruch des ersten Weltkrieges, eingezogen. Meine Mutter stand mit sechs unmündigen Kindern da, was für sie nicht leicht war, denn nebenbei war sie auch noch kränklich. 1918 kam aber dann mein Vater wieder heim.

Ostern 1918 wurde ich eingeschult. Ich musste jeden Tag 2 km zu Fuß in Holzschuhen zur Schule und zwar von morgens bis abends. Die älteren Geschwister wurden allmählich konfirmiert und kamen in Stellung, um die Familie zu ernähren.

So kam es, dass ich die Arbeiten in Stall und Feld mitmachen musste, erst nach dem Abendessen kamen die Hausaufgaben dran. In der Schule kam ich gut voran und wurde 1927 mit sehr guten Zeugnissen entlassen. Im gleichen Jahr trat ich meine Lehre beim Schmiedemeister Kraft in Weesby an. 

Es waren schwere drei Jahre, denn neben der Arbeit mussten wir Lehrlinge  auch die Feldarbeit verrichten, so dass wir oft 14 bis 16 Stunden am Tag gearbeitet haben und nebenbei harte Ohrfeigen vom Meister bekamen anstelle von Geld. Um 22°°h mussten wir im Bett liegen und am Morgen den Meister wecken. Die Meisterin war gut zu uns und das Essen ausgezeichnet. Am Sonntag mussten wir die Werkstatt aufräumen. Zweimal in der Woche gingen wir abends bei unserem Dorfschullehrer zur Berufsschule.

Hier bekam ich nach zwei Jahren von der Landesregierung ein Geschenk und Urkunde als bester Schüler der Berufsschule. im Herbst 1930 bestand ich vor der Prüfungskommission der meine Gesellenprüfung mit dem Prädikat „gut“. Wir hatten damals in Deutschland siebeneinhalb Millionen Arbeitslose. Es gab keine Arbeitslosenunterstützung und auch keine Sozialhilfe. Ich hatte Glück und bekam in der Heimvolksschule in Leck einen Arbeitsplatz. Dort war mein mein früherer Lehrer als Leiter der Schule beschäftigt. 

Schulbeginn 1930. Ich habe sehr viel gelernt. Obwohl bei mir das Geld so knapp war, war es doch eine schöne Zeit. Wir hatten in Deutschland eine SPD Regierung und allgemein eine schlechte Zeit. Darum fing die NSDAP allmählich an, Fuß zu fassen. Im April 1931 war die Schule beendet und ich arbeitslos. Um von meinem Beruf nicht abzubekommen, richtete ich bei meinem Vater eine Werkstatt ein und habe nebenbei in der Landwirtschaft geholfen. Im Juni hatte ich Glück und bekam Arbeit in der Schmiede Wallsbüll. Leider, nach acht Wochen, wurde ich wegen Arbeitsmangel wieder entlassen. 

Es bestand damals die Möglichkeit, sich ohne die Meisterprüfung selbstständig zu machen, somit meldete ich sofort mein Gewerbe an und betrieb eine kleine Schmiede bei meinem Vater. Viel Arbeit hatte ich nicht, aber besser als gar nichts. Im Mai 1932 starb meine Mutter, was für uns alle ein schwerer Schlag war. Sie wurde nur 64 Jahre alt. 

Im August 1932 habe ich mich mit Agnes verlobt das Jahr war für mich geschäftlich gesehen nicht schlecht, denn ich bekam die Schmiedearbeit für zwei Neubauten.Pferde durfte ich nicht beschlagen weil ich noch keine Hufbeschlagschule besucht hatte, obwohl ich während meiner Lehrzeit fast jeden Tag damit beschäftigt war. Das Gesetz verlangte es damals, eine dreijährige Gesellenzeit im Hufbeschlag nachzuweisen, was wegen der großen Arbeitslosigkeit ganz unmöglich war. Ich hatte damals schon Gesuche eingereicht die alle abgelehnt worden. In Wallsbüll hatte ich einen Wochenlohn von acht Reichsmark. Für den ersten Lohn kaufte ich mir eine Arbeitsjacke und ein Paket Tabak. Meine Braut arbeitete bei den Bauern für acht Reichsmark 50 im Monat. Später gab sie ihre Stellung auf und hat dann bei meinen Geschwistern im Haus geholfen. Im Februar 1933 haben wir geheiratet.. Kurz darauf hatte meine Frau eine Fehlgeburt.

Ende Januar 1933 kam die NSDAP an die Regierung und somit hatten wir in Deutschland eine Diktatur. Nach der vorhergegangenen schlechten Zeit war es verständlich, dass die Partei so schnell in die Regierung kam und bald spürte man, dass diejenigen, die sich davon fern hielten, es schwer hatten.

Ich meldete mich in die S.A. und versuchte dann bald, die Hufbeschlagschule zu besuchen.

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Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Arbeit, Hochzeit, NSDAP

Jahr

1933

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