Ferienjob: Ferienjobs – in den 60er Jahren hieß es noch: Arbeit in den Ferien

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Ferienjobs – in den 60er Jahren hieß es noch: Arbeit in den Ferien

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Erstellt von GeZeiten Redaktion am 30.08.2009
Zuletzt bearbeitet am 16.06.2010

Autor dieses Beitrags

Karin Voss

Haupttext

Ich habe es immer als wertvolle Erfahrung angesehen, dass ich in den Ferien gearbeitet habe.

Ich bin in einem Beamtenhaushalt aufgewachsen - mein Vater war Lehrer, in seinen letzten Lebensjahren Leiter der Petri-Schule in Flensburg. Nach der Schulzeit ging ich zur PH in Flensburg und wurde Lehrerin – keine Ahnung vom Arbeits-Leben – ich konnte nicht einmal einen Überweisungsauftrag ausfüllen!

 

Durch meine Ferienjobs konnte ich wenigstens ein wenig eine Vorstellung davon gewinnen, wie Tagesabläufe in vielen Familien aussehen müssen.

 

Als ich jedoch in meiner eigenen Schulzeit arbeitete, tat ich das nicht aus dem Grunde, sondern um mir etwas Besonderes kaufen zu können. Viel erinnere ich nicht, aber 1968 kaufte ich mir ein paar richtig teure blaue Slingpumps von Peter Kaiser bei Peetz – sie kosteten 35 DM! Und einen teuren Winter-Mantel von Mau und Andresen für 60 Mark erinnere ich auch noch.

 

Ich arbeitete für 3,50 DM die Stunde, Jungen bekamen das Doppelte!

 

Ich arbeitete in der Schnellimbiss-Küche bei Hertie, in der Diakonissenanstalt-Küche. Daran habe ich nur die Erinnerung, dass ich im Sommer eine Strumpfhose tragen musste - aus Sicherheitsgründen. Und dass ich in der Hertie-Küche Schweineohren schneiden musste für Sülze – ich habe bisher noch nie Sülze gegessen.

 

1966 oder 67 eröffnete Karstadt in Flensburg und auch das Kaufhaus Hertie (heute Karstadt). Beide Häuser erhielten Rolltreppen, die geputzt, von Mörtel befreit werden mussten. Mädchen für 3,50 – Jungs für 7 Mark die Stunde! Wir waren von einer Firma angestellt, die am Harniskai ihr Büro hatte, und dort holten wir die Lohntüte ab. Unsere Nachnamen müssen lediglich registriert gewesen sein. Es gab einen Trick: sag einfach, du holst das Geld für deinen Bruder ab, und dann kriegst du 7 DM. Das klappte tatsächlich!

 

Was waren das für Zeiten!

 

Weitere Jobs waren 1968 und 69 Verkäuferin in dem neuen Kaufhaus Hertie. Ich war zunächst in der Strumpfabteilung und später – meistens gemeinsam mit anderen Mädchen bzw. jungen Frauen, die wir ja waren -  in der Abteilung, in der Männer Schlipse kaufen können. Wir „Mädchen“ machten uns manchmal einen Spaß daraus, älteren Männern ein schreckliches Modell anzudrehen.

Viele viele Jahre hat es bei mir gedauert, bis ich den Rat einer Verkäuferin oder eines Verkäufers suchen mochte – bis ich merkte und akzeptieren konnte, dass inzwischen gut ausgebildete Leute diesen Beruf ausüben, keine völlig unbedarften Schülerinnen oder Studentinnen. Wir wurden damals wirklich überhaupt nicht sachkundig gemacht über die Artikel, die zu verkaufen waren.

 

Mehrere Male war ich auch in der Süßwaren-Abteilung bei Hertie. Zunächst gleich vorne rechts hinter einem Tresen natürlich. Abwiegen, einfüllen, einpacken – Preise berechnen ohne eine Kasse, die das kann! Mir war es schleierhaft, wie man bei einer 150g-Preisangabe den Preis für 250 Gramm flott ausrechnen konnte! Ich vom Gymnasium konnte das nicht – die Volksschülerinnen mussten mir helfen!

 

Als ich meinen Sondertisch (hauptsächlich Toblerone am Gründonnerstag, wenn die Dänen kamen…) vor der Eingangstür hatte, habe ich mir zu Hause Listen geschrieben, von denen ich die meisten gängigen Summen für abzuwiegende Süßigkeiten dann abgelesen habe…

 

Abends war ich meistens so geschafft, dass ich mir nicht mal meine langen Haare waschen mochte, die in den Jahren immer schnell fettig waren, weil die Arbeit sehr aufregend für mich war. Also kaufte ich mir eine Perücke für 45 Mark – ich habe sie immer noch - sehr zur Freude meiner heutigen Schulkinder, von denen einige sie immer wieder aufsetzen mögen,

manchmal sogar damit in die Pause gehen.

 

Vor den Hertie-Zeiten arbeitete ich mehrere Male beim KBA. Zunächst im Südergraben in einem Gebäude, das es heute noch gibt. Dort lernte ich nette Jungen und Studenten kennen. Mit Uwe war ich dann viele Jahre befreundet. Uwe, weißt du noch, wie du mich nachts zu Hause abholtest und wir dann mit deinem kleinen graublauen Moped zu den Ochseninseln fuhren, dort in ein Boot stiegen und den Sonnenaufgang erlebten? Und bevor meine Eltern es merkten, war ich wieder zu Hause? Sagenhaft! Aber wir „gingen“ nicht miteinander!

 

Im Neubau des KBA in Mürwik war ich in der Abteilung Meier, Maier, Meyer, Mayer, Mair, Mayr… und musste Eintragungen aus ganz Deutschland vornehmen bzw. löschen. Ich musste stempeln und aus Aktenordnern Seiten herauslösen. Karteikarten, Papiere geschickt zählen habe ich dort gelernt, Und ich übte das Zählen von Papierblättern mit Hilfe eines Gummi-Mittelfinger-Aufsetzers… Genaueres weiß ich nicht mehr – mir waren die Pausen am wichtigsten, in denen ich mich mit den anderen treffen konnte.

 

Meine letzte Arbeit war Kellnerin auf einem „Butterdampfer“ – Linie Flensburg/Kollund. Mein Schiff war die „Ostsee“. Bei dieser Arbeit konnte man viel Trinkgeld bekommen, vor allem als junges Mädchen…

 

Man konnte auf jeden Fall damals einfach zu einer Firma gehen, eine Ferienarbeit anfragen und erhielt sofort eine. Viele Jungen, junge Männer, arbeiteten zu der Zeit als Postbote; das war total üblich.

 

Ich freue mich jetzt auf ein Echo!

 

Wer erinnert sich denn noch an den Eröffnungsabend des Porticus?

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Karin Voss in einer feschen selbstgenähten "Uniform"

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Ferienjob

Jahr

1968

Ort

Flensburg

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