Ferienjob: Eine Schule für's Leben

Titel und Untertitel

Eine Schule für's Leben Als Raumpflegerin im Krankenhaus

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Ersteller und Datum

Erstellt von Frauke Sönnichsen am 29.07.2009
Zuletzt bearbeitet von Sabrina Böhmer am 29.07.2009

Haupttext

In den Jahren 1980/81 besserte ich mein Taschengeld auf, indem ich in den Sommerferien als Urlaubsvertretung die Putzkolonne in der Diako und im Franziskushospital Flensburg verstärkte. Ich gebe zu, meine Eltern haben etwas gedrängt, denn ich musste das Geld zum Unterhalt meines Pferds selbst verdienen.

Der Job lief jeweils für vier Wochen, ich musste immer um 7:00 Uhr morgens antreten und dann bis etwa 13:00 Uhr, manchmal auch 13:30 Uhr putzen. Im ersten Jahr wussten die Kollegen noch nicht so viel mit der 16-jährigen Göre anzufangen, aber mein Welpenstatus machte mir das Leben leicht. Zuerst wurde ich im Altenstift eingesetzt und bekam den Auftrag, die Flure zu feudeln mit grüner Seife. Damit sollte ich "bitte nicht vor 9:00 Uhr" fertig sein.

Meistens war ich viel zu schnell und dann schickte man mich zu den Senioren in die Zimmer, die sich über ein Pläuschen mit dem jungen Mädel freuten. Gelegentlich fand ich nach so einem Klönschnack eine oder zwei Mark in meiner Kitteltasche, was mich auch damals schon sehr beschämte. Denn wie einsam müssen sich die Damen gefühlt haben, wenn sie mir Geld für eine viertelstündige Unterhaltung zusteckten.

Im Stift wurde ich dann für die verschiedensten Aufgaben eingesetzt: Putzen, Feudeln, Unterhalten, Füttern, Küchenarbeiten, Bügeln. Das Personal und auch die Senioren waren immer sehr nett zu mir. Aber es gab eine Aufgabe, die stank mir buchstäblich zum Himmel. Das war der so genannte "Schweineeimer"! Dort hinein kamen alle Essensreste, teilweise zur Unkenntlichkeit püriert. Diese wurden gesammelt und am Nachmittag abgeholt und an Schweine verfüttert. Leider weiß ich nicht mehr, ob die Schweine auf dem Gelände des Stifts gehalten wurden oder ob ein Bauer von außerhalb sich das stinkende Zeug holte.

Nach zwei Wochen im Altenstift wurde ich in die Diako "versetzt". Dort wehte ein anderer Wind! Die Frau Oberin war sehr streng und hielt nicht viel von uns Ferienjoberinnen. Wir mussten immer eine Station komplett putzen, inkl. aller Waschräume. Ich kann mich noch gut erinnern, dass sie oder eine andere Schwester zur Kontrolle kam und schaute, ob sie sich im Klorollenhalter spiegeln konnte. Unerläßlich war auch die Eckenkontrolle, bei der ich mir desöfteren einen Tadel für die "rundgewischten" Ecken einhandelte.

Im 2. Jahr war ich fast nur im Franziskushospital. Da war unsere Vorgesetzte eher streng mit uns und die Schwestern waren ausgesprochen freundlich. Hier musste ich auch öfter am Wochenende putzen. Aber die Patienten waren meistens recht dankbar, wenn man ein paar nette Worte für sie über hatte.

Was die Bezahlung anging, war es für die damalige Zeit ein toller Job. Ich durfte in der Kantine für lau frühstücken und bekam einen stolzen Stundenlohn von 7,56 DM, der ja unversteuert war, zusätzlich wurde mir Fahrgeld von 56 DM erstattet. Somit hatte ich 1980 in den 4 Wochen ca. 750 DM verdient und 1981 sogar fast 1000 DM, weil der Stundenlohn gestiegen war. Viel Geld für mich als 16/17-jähriges Mädchen!

Mich hat diese Zeit besonders eines gelehrt: Hochachtung vor dem Beruf der Raumpflegerin! Es ist körperlich recht anstrengend und leider als Beruf nie so gut bezahlt wie zu meiner Zeit als Urlaubsvertretung. So gut habe ich nur verdient, weil ich für die kurze Beschäftigungsdauer keine Abgaben zahlen musste.

Ich kann jedem Jugendlichen nur empfehlen, sich mal einen Ferienjob oder einen Praktikumsplatz zu suchen, denn das ist eine Schule für das Leben. Gerne denke ich an diese Zeit zurück.

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Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Krankenhaus Raumpflegerin Altens

Jahr

1980 1981

Ort

Flensburg

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