Essen und Trinken: Kartoffelmehl als Wundermittel

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Kartoffelmehl als Wundermittel Das Leben in Notzeiten

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Erstellt von GeZeiten Redaktion am 08.04.2009
Zuletzt bearbeitet am 13.05.2013

Autor dieses Beitrags

Erna Hansen

Haupttext

Man sagt ja: „Not macht erfinderisch. Da ist was Wahres dran. Ich glaube, alle Älteren haben diese Zeit noch in guter Erinnerung. In den Kriegsjahren und noch viele Jahre nach 1945, wir haben es gelernt, aus wenig viel zu machen. Jeden Abend saßen wir zusammen und berieten, was wir morgen kochen könnten.

Wir auf dem Lande hatten es noch leichter – wir hatten Milch, auch einen Garten, auch Hühner. Wir konnten arbeiten beim Bauern, für Naturalien, für Kartoffeln, Milch usw. Was konnte man alles aus Kartoffeln machen. Bald zu jeder Mahlzeit gab es Kartoffeln auf den Tisch. Kartoffelgrütze, Bratkartoffeln, das heißt, Fett dafür war knapp, man schöpfte von den Suppen das Fett oben ab, darin die Kartoffeln braten, ein bisschen schwarzen Kaffee darüber denn sahen sie auch etwas gebräunt aus.

Oder man rieb die Pfanne mit einer Speckschwarte aus, man verlängerte etwas Schmalz mit Kartoffelbrei, als Brotaufstrich. Sirup obenauf zum Frühstück. Wurde mal ein Schwein geschlachtet, machte man auch zerquetschte Kartoffeln in den Wurstteig zum Verlängern. Denn es gab jeden Abend Grütze und Bratkartoffeln auf den Tisch. Gerstengrütze, Buchweizengrütze war oft knapp.

Auch in einen Kuchenteig rührte man Kartoffeln, denn gestopfte Kartoffeln waren sehr schmackhaft. Zu Weihnachten machte man Marzipankartoffeln irgendwo hatte man Mandelöl erwischt. Im Herbst wurde Kartoffelmehl gemacht. Was konnte man alles aus Kartoffelmehl machen, die schönsten Torten! Für rote Grütze, Apfelgrütze usw. zum Andicken, usw. Kartoffelmehl half in der Medizin, als Puder, hatte man sich verbrannt zum Kühlen. Man nahm Mehl, wendet darin die Speckscheiben oder Schinken, dieser „Mehlteig“ vergrößert das Gebratene, wenn es auch nur Mehl war.

Auch mit der Kleidung hatte man immer neue Einfälle, es wurde gewendet, angesetzt, zwischen gesetzt, aufgetrennt, aus Fallschirmseide nähte man Brautkleider, Blusen, Hemden für die Buben, aus der roten Fahne wurden hübsche Kleider geschneidert, aus Tischtüchern nähte man Kinderwäsche. Aus Uniformjacken Hosen und Jacken. Aus Pullovern der Soldaten wurden Kinderpullover zugeschnitten, angestrickt im Bündchen oder umhäkelt. Aus Omas Bettdecken wurden Wickeltücher genäht, denn es wurden auch Kinder geboren. Das Leben ging weiter. Aus Bindegarn wurden Hausschuhe gehäkelt, Sohlen aus Stroh geflochten.

Man hatte sechs Jahre rein gar nichts kaufen können. Aus Wolldecken konnte man Mäntel nähen, Mein kleiner Sohn bekam einen hübschen Mantel aus meinem Konfirmationsmantel. Wir hatten bei der Arbeit Schürzen aus Säcken, auch zum „Feudeln“ Säcke, sie waren erst so hart an den Händen. Die Hände waren bei uns rot und mit Frostbeulen bedeckt vom kalten Wasser und der großen Wäsche. Es gab keine Waschmaschine. Wie haben wir es jetzt gut.

Es gab immer noch Lebensmittelkarten. Der Normalverbraucher bekam für vier Wochen zugeteilt: Den täglichen Satz 1550 Kalorien. 1000 Gramm Brot, 1500 Gramm Nährmittel, 125 Gramm Kaffeeersatz, 1000 Gramm Kartoffeln, 500 Gramm Fleisch, 600 Gramm Fisch, 200 Gramm Fett, 62,5 Gramm Käse, 2000 Gramm Magermilch, 750 Gramm Zucker, 2000 Gramm Gemüse.

Es wurde in der Zeitung bekannt gegeben. Ja, so sah es noch lange aus. Und darum ist es heute auch noch so, wir „Alten“ werfen nichts weg, es wird gespart und wir können es nicht mit ansehen, was heute alles in den Müll kommt. Wir hatten keine Probleme mit dem Müll, d.h. damals konnte man vieles in den Ofen werfen. Es war eben alles noch anders.

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Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Essen, Kartoffeln, Wegwerfmentalität

Jahr

1945

Ort

Eggebeck

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