Essen und Trinken: Hunger und Überfluss

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Hunger und Überfluss

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Erstellt von GeZeiten Redaktion am 07.04.2009
Zuletzt bearbeitet am 07.04.2009

Autor dieses Beitrags

Einar Maschmann

Haupttext

Am Sonnabend entdeckte ich im Schlei-Boten den Artikel, Gedanken aufzuschreiben über das, was einem wichtig ist. Spontan dazu fiel mir ein, dass meine Großeltern und Eltern den Krieg, die Eltern meiner Mutter und sie auch Flucht und Vertreibung, erdulden mussten. Klingt ja heute alles schwülstig, war aber schreckliche Realität. Es wurde ja auch viel erzählt, und damals, als Kind, habe ich mir das ja auch fasziniert angehört. Unterschwellig ist es immer noch vorhanden. Die Großeltern sind natürlich schon gestorben, ebenso mein Vater. Meine Mutter ist noch da, lebt aber - trotz ihrer mittlerweile 82 Jahre - voll im hier und jetzt. Der Grund-Tenor der Erzählungen damals war immer der Hunger, das Streben während der Kriegs- und Nachkriegszeit nach Lebensmitteln. Das hat mich zu folgenden Gedanken angeregt: Wenn man die Nachrichten-Sendungen im Fernsehen verfolgt, sieht man täglich Berichte von armen und hungernden Menschen in der Welt. Ich selbst musste nie hungern ! Die Fernsehberichte geleiten mich deshalb zur Dankbarkeit, dass ich tatsächlich jeden Tag satt werden kann. Meine Eltern gehören zur sogenannten Kriegsgeneration. Mein Vater war im Krieg, meine Mutter gehört zu den Flüchtlingen. Aus ihren Erzählungen kenne ich ihre Entbehrungen und Not. Ich wurde 1950 geboren und konnte etwa ab dem 5. Lebensjahr ihren Erzählungen folgen. Meine Eltern hatten zwar wenig Geld, aber wir hatten immer genug zu essen - daran wurde nicht gespart. Der Gegensatz der Erzählungen von Krieg, Flucht und Nachkriegs-Entbehrungen zu dem gut gedeckten Tisch meiner frühen Jugendzeit hat mich schon als Kind fasziniert. Es ist so, dass meine Mutter - heute 82 Jahre alt - noch immer keine Lebensmittel vernichtet. Ich weiß nicht, ob sie zur Kriegszeit einen geheimen Schwur leistete, niemals etwas Essbares zu vernichten. Reste vom Weihnachtsgebäck z.B. (aber auch andere Lebensmittel) werden noch nach langer Zeit präsentiert. Meine Mutter verzehrt es, ich versuche, die alten Reste abzuwehren. Ich gehe einfach davon aus, dass zu alte Lebensmittel irgendwann tatsächlich gesundheitsgefährdend sein können; meine Mutter verdrängt diesen Gedanken. Auf jeden Fall durchstreife ich immer mit großer Freude die langen, gut gefüllten Wurst- und Käse-Vitrinen der Supermärkte, auch wenn ich gar nichts kaufe. Ich schaue nur, ebenso die aufgereihten Brote und die Vielzahl der Brötchensorten bei den Bäckern. Wenn mir jedoch ein Brötchen zu alt ist, vernichte ich es. Ich genieße bislang das Privileg, keinen Schwur leisten zu müssen, niemals Lebensmittel zu vernichten. Ich könnte mir vorstellen, dass vielen Menschen heutzutage die enorme Vielfalt und Verfügbarkeit der vielen angebotenen Lebensmittel gar nicht mehr bewusst ist. Ich selbst werde jedoch weiterhin beim Gang durch den Supermarkt von der Vielzahl der Lebensmittel fasziniert sein und nur noch entrückt die Erzählungen der Eltern und Großeltern im Kopf haben. Soweit meine Gedanken. Das Foto habe ich selbst etwa 1960 bei meinen Großeltern in Rendsburg aufgenommen, mit einer Kodak-Starmite 4x4-Rollfilmkamera. Von dem 4x4-Negativ habe ich damals eine Kontaktkopie gemacht. Die ist im alten Fotoalbum, und diese 4x4 große Kontaktkopie habe ich heute mit meiner Nikon D200 plus Micro-Nikkor 2,8/60mm reproduziert; daher die schlechte Qualität. Das Foto zeigt eine Familien-Kaffeetafel etwa 1960; es stehen 3 Torten auf dem Tisch. Das hat mich schon damals fasziniert und tut es immer noch. Weil ich das Foto aufgenommen habe, bin ich selbst nicht drauf. Links meine Mutter mit kleinem Brüderchen, vor dem Fernseher (hatte mein Opa schon als einer der ersten in der Straße !) mein Opa (aus Kolberg/Pommern). Am Kopfende meine Oma (aus Kolberg). Rechts am Schrank mein Vater (war im Krieg), vorne rechts die Mutter meines Vaters.

Bilder
Bild
Bildunterschrift

Eine Familien-Kaffeetafel etwa 1960; es stehen 3 Torten auf dem Tisch. Das hat mich schon damals fasziniert und tut es immer noch.

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Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Hunger, Lebensmittel, Überfluss

Jahr

1960

Ort

Kappeln

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