Essen und Trinken: Kaffeekochen

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Kaffeekochen

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Ersteller und Datum

Erstellt von Gisela Walter am 30.06.2014

Autor dieses Beitrags

Gisela Walter

Haupttext

Neulich beim Einhüten im Haus meiner Tochter fiel mir beim Zubereiten meines Morgenkaffees  mit einer modernen Padmaschine  ein, wie meine hochbetagte Tante (Jg. 1911) noch in den Neunzigerjahren das Kaffeekochen  pflegte. War ich um 15.00 Uhr zum Kaffeetrinken angesagt, begann sie nach dem Mittagessen mit den Vorbereitungen. Weiße gestärkte Tischdecke  auflegen, Geschirr hinstellen, das machen wir ja auch heute wohl noch mal so, aber sie mahlte dann auch die Kaffeebohnen,  allerdings nicht mehr mit der alten Holzmühle, die ich als Kind auch  kannte, sondern mit einer elektrischen Kaffeemühle.  Dann erhitzte  sie auf ihrem Gasherd das Wasser. Stellte einen porzellanenen Kaffeefilterhalter auf die Kaffeekanne aus Porzellan, legte anfangs noch einen gehäkelten Filter ein, (Baumwollgarn an Drahtbügel), maß das Kaffeepulver ab und goss das kochende Wasser darüber. Dann wurde die gefüllte Kaffeekanne in ein Wasserbad gestellt, bis der Gast kam. In die Tülle stopfte sie zerknülltes Papier, um das Aroma zu erhalten. An der Tülle der Kaffeekanne befand sich meist noch ein Tropfenfänger aus Schaumstoff.

Den Kaffeesatz aus dem Baumwollfilter bekamen die Geranien, der Filter wurde ausgespült und für das nächste Mal getrocknet. Ab und an wurde er ausgekocht, später benutzte sie auch mal die Kaffeefilter aus Papier.

Ich kann mich erinnern, dass bei Geburtstagsfeiern in meinen Jugendjahren, so in den Fünfzigern, gleich mehrere Kaffeekannen  auf  dem Herd im Wasserbad auf die Gäste warteten oder unter bunten Wärmehauben(Kaffeewärmern) versteckt und warmgehalten wurden. Isolierkannen, Kaffeemaschinen kamen ja erst später auf und die Mode, bedarfsgerecht eine Tasse oder einen Becher aufzubrühen und zwischen diversen Kaffeespezialitäten per Knopfdruck wählen zu können, ist die Erfindung der Neuzeit.

Vor meinen Augen erscheint dabei auch das Bild meiner Großmutter, die bei unangekündigtem Besuch auf einem Stuhl in der Küche saß  und die Holzkaffeemühle drehte. Dabei  ließ sich mit dem Gast schon ganz gemütlich plaudern und die Vorfreude auf die Tasse Kaffee steigerte sich, je mehr der Kaffeeduft des frisch gemahlenen Kaffees den Raum erfüllte.

Wir Kinder bekamen übrigens in den Nachkriegsjahren als Getränk den zweiten Aufguss serviert, d.h. das Kaffeemehl wurde ein zweites Mal mit Wasser aufgegossen und gab so etwas wie „Blümchenkaffee“.   

 

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