Ehe, Familie und Freundschaft: Mit dem Dampfer zum Strand nach Möltenort

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Mit dem Dampfer zum Strand nach Möltenort Ferien mit den Freundinnen

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Erstellt von GeZeiten Redaktion am 12.07.2010
Zuletzt bearbeitet am 13.07.2010

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Ingeburg Meinhardt

Haupttext

Mein Geburtsjahr ist 1926. geboren bin ich in Kiel. Als mittlere von fünf Geschwistern. Meine Eltern waren selbständige Geschäftsleute. Urlaub mit der Familie habe ich nie erlebt. Aber ich war wohl so ungefähr zehn Jahre alt, da durfte ich mit Freundinnen, vielleicht war auch ein älterer Bruder dabei, mit dem Dampfer zum Strand nach Möltenort fahren. Hin und zurück kostete es damals 0,50 RM. Mehr Geld bekamen wir auch nicht mit. Außer Handtuch, Badesachen und einige Butterbrote, eine kleine Flasche Selter, dass war unser ganzes Gepäck. Natürlich hatten wir Anweisung spätestens um 19 Uhr wieder Daheim zu sein. Der Fußweg vom Dampferanleger Hindenburgufer quer durch die Stadt bis zur Eckernförder-Allee musste einkalkuliert werden. (Nach 1933 bekam sie den Namen: Straße der SA. Jetzt heißt sie wieder Eckernförder Straße). Wir wussten, dass wir nachdem wir unsere Butterbrote gegessen hatten, mindestens 1/2 Stunde warten sollten, bis wir wieder ins Wasser gingen, aber eine Uhr hatte von uns natürlich keiner. Wenn dann gerade eine besonders schöne Welle kam, hervorgerufen von einem U-Boot oder Zerstörer, die damals auf dem Kieler Hafen von früh bis spät unterwegs waren, sprangen wir natürlich schnell in die Ostsee. Die Wellen waren ein kostenloses Vergnügen. Eigentlich sollten wir uns nach dem Schwimmen immer den nassen Badeanzug ausziehen. Ihn zum Trocknen in die Sonne legen und uns trockene Sachen anziehen. Meistens hatten wir unsere Turnanzüge mit. Die sahen damals ulkig aus, so mit Plumphosen. Zwei Badeanzüge zum Wechseln hatte wohl keiner von uns. Aber wie gesagt wir wollten möglichst alle Wellen genießen, so behielten wir die Badeanzüge lieber gleich an. Die Dampfer fuhren alle Stunde. Wir konnten sehen, wenn der Dampfer von Laboe abfuhr. Da hieß es schnell alles zusammenpacken und Richtung Brücke laufen. Von dort schauten wir oft sehnsüchtig auf das kühle Wasser der Ostsee. Natürlich kamen da grade große Schiffe in den Hafen, die hohe Wellen erzeugten. Aber noch einmal ins Wasser springen konnten wir nicht riskieren. Den Dampfer durften wir nicht verpassen. An Wochenenden konnte es geschehen, dass der Dampfer aber schon ab Laboe-Schilksee besetzt war. So mussten wir warten, bis ein Ersatzdampfer eingesetzt wurde. Aber das dauerte nie lange. Auf der Rückfahrt hätten wir oft noch gerne ein Stück Brot gegessen. Aber die Verpflegung war längst alle. Seeluft macht hungrig. Dafür schmeckte das Abendbrot besonders gut. Sonnenbrand oder sonstige Unfälle gab es nicht. Bilder von diesen schönen Ferientagen habe ich leider nicht. Wer hatte damals schon einen Fotoapparat. Aber diese unbeschwerten Erinnerungen haben mich mein ganzes Leben begleitet.

PS. Natürlich konnten wir nicht täglich zum Strand nach Möltenort fahren. Für 0,50 RM bekam man damals ein ganzes Schwarzbrot. Als Ersatz hatten wir in Düsternbrook eine „Seebadeanstalt“. Bestehend aus Umkleidemöglichkeiten und einer breiten, langen Brücke, von wo aus Schwimmer in den Hafen springen konnten. Nicht-Schwimmer gelangen über eine Treppe in einen abgeschirmten, flachen Bereich. Für 0,10 RM durfte man zwei Stunden dem Vergnügen des Badens frönen. Den vorbeifahrenden Dampfern Richtung Möltenort-Laboe haben wir oft sehnsüchtig hinterher geschaut. Damals hat man es mit der Sauberkeit des Wassers wohl nicht so genau genommen. Auf den Werften an der anderen Seite des Hafens wurden Schiffe gebaut und Boote, Zerstörer, Frachter usw. kreuzten auf dem Hafen hin und her. Natürlich mussten wir den Weg hin und zurück nach Düsternbrook immer zu Fuß gehen. Obwohl wir für 0,05 RM mit der Straßenbahn hätten fahren können. Aber wir hatten trotzdem schöne Ferien.

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Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Dampfer, Ferien, Freundinnen

Jahr

ca. 1932

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