Ehe, Familie und Freundschaft: Von Freud und Leid

[Titel und Untertitel

Von Freud und Leid Eine Kindheit in der Nachkriegszeit: Ausbombardierung, Flucht und Konfirmation

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Ersteller und Datum

Erstellt von Sabrina Böhmer am 31.03.2015

Autor dieses Beitrags

Hartmut Lemke

Haupttext

Nach dem Volltreffer auf unser Haus in Swinemünde am 12.3.45 machten sich meine Eltern mit uns 4 von 6 Kindern auf den Weg nach Westen. Mein Vater hatte eine Bescheinigung, in der es hieß: Herr Pastor Lemke ist beurlaubt, um seine Familie unterzubringen. (Swinemünde. 1.4.45)

Aus dem Tagebuch meines Vaters zitiere ich: Auf der Flucht kamen wir alle heil durch. Keiner erlitt Schaden. Und es schössen doch Tiefflieger.

Die Bombe traf unser Pfarrhaus in die Stube, in der ich vor einigen Minuten noch gesessen hatte. Es muss so um 4 Uhr gewesen sein. Das Haus stürzte zusammen. Eine Staubwolke umgab uns. Wir standen dann noch einige Zeit zwischen Küche und Hinterflur. Es war nämlich ein Wunder geschehen, dass der Anbau der Küche von den Ziegeln befreit, aber nicht eingestürzt war. Auch die Speisekammer war heil geblieben, in der sich eine große Wanne mit Weckgläsern befand

wir konnten keinen richtigen Gedanken fassen. Die folgenden Stunden waren ohne Sinn und Inhalt. Ich kann nicht wiedergeben, was mich bewegt hat. Nur das weiß ich; dass ich dankbar war, weil wir alle gesund waren. Gegen 5 Uhr sind wir mit einer Schubkarre nach Ahlbek aufgebrochen.

Ich denke an ein Gedicht von Fritz Woike: Im Schatten Deiner Flügel, oh wundersames Wort, im Schatten Deiner Flügel ist stets mein Ruheport. Wir sind umgeben und geführt. Du weißt den Weg ja doch. Das ist genug....

Nach turbulenter, bedrückender Zeit, voller Angst und Sorge fanden wir in Hamburg zuerst eine 2 Zimmerwohnung: natürlich möbliert, wir besaßen nichts, nur unsere Bekleidung!

Mein Vater bekam mit 60 Jahren noch eine Pfarrstelle in Hamburg- Bahrenfeld, die er bis zu seiner Pensionierung mit 70 Jahren inne hatte.

Mein Vater hat mich und meine Zwillingsschwester im März 1953 konfirmiert. Mein Konfirmationsspruch ist Römer 12. Vers l2. Dieser Spruch begleitet mich mein Leben und hat mir die Aufforderung — haltet an am Gebet! - bis heute zweifelnd schwer gemacht. Wir Konfirmanden mussten zwei Jahre einmal pro Woche zum Konfer lernten Lieder, Texte. Bibelsprüche und wurden sogar geprüft. War das eine Freude! Unglaublich, welche Geschenke ich bekam: 1 Geldbörse mit 25 DM, ein Paar Schwimmflossen, selbst gestrickte Strümpfe. 1 oder 2 Reclamhefte und Süßigkeiten. Zudem musste ich ja angemessen angezogen sein. Meine Eltern kauften mir einen schwarzen Anzug und leider zu kleine schwarze Schuhe (es gab keine in meiner Größe) bei C&A: das Geschäft hatte gerade eröffnet. Zu essen gab es: Zunge mit Meerrettichsoße, Kartoffeln, Gemüse, als Nachtisch Pudding. Alkohol wurde nicht gereicht, (interessant ist: mein Vater, der sonst nie einkaufte, besorgte Zunge vom Pferdeschlachter. Das durfte keiner wissen! Es schmeckte allen!) Eingeladen waren nur die nächsten Verwandten. Der Weg von der Haltestelle der Straßenbahn zu uns dauerte ca. 20 Minuten, der Weg zur Lutherkirche fast 15 Minuten- natürlich ohne Auto! - Die Erinnerung verklärt die Zeit.-

Trotz aller, aller Schwierigkeiten haben mich meine Eltern behütet und beschützt und mir mit den Geschenken zur Konfirmation eine große Freude gemacht.

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Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Bombeneinschlag, Konfirmation

Jahr

1945

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