Ehe, Familie und Freundschaft: Weihnachten und Silvester

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Weihnachten und Silvester Kindheitserinnerungen

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Erstellt von Friedrich-Wilhelm Trottmann am 25.12.2014

Haupttext

Es ist Weihnachten, gerade komme ich zurück von einer jungen Familie mit drei Kleinkindern, bei denen ich nach langen Jahren wieder einmal den Weihnachtsmann spielen durfte. 

    Welch´ glänzende  kindliche, aber auch ängstliche Augenpaare starrten mich an, so dass ich die Rute schon gleich hinter meinem Rücken versteckte, da sie doch im letzten Jahr alle lieb und brav gewesen seien. Die beiden vollgefüllten Säcke traten in diesem Augenblick in den Hintergrund. Mein Gesicht war durch Bart, Mütze und Kapuze kaum sichtbar, als Schuhwerk hatte ich meine selten getragenen Lederstiefel gewählt, die unter dem roten Mantel hervor lugten. Unter dem Mantel war es übrigens sehr warm. Kinder sind sehr aufmerksam und achten auf vieles, an das wir Erwachsenen nicht denken wie Ehering und Brille. Ein Kind soll nach dem Besuch eines Weihnachtsmannes gesagt haben, das ist nicht der richtige Weihnachtsmann gewesen, denn mit den Schuhen kann er nicht durch den Matsch gegangen sein! 

    Wenn ich so an meine Kindheit zurückdenke, werden schöne Erinnerungen an Weihnachten und Silvester wach. 

    Weihnachten konnte nicht mehr weit sein, wenn Muttern anfing, Stollen zu backen, denn die mussten einige Zeit bis zum Verzehr noch reifen. Beim Hefeteig zubereiten durfte ich mitmachen, denn er sollte luftig werden und musste dementsprechend in der großen Schüssel geschlagen werden, was für Muttern anstrengend war. Ich erinnere mich noch an die vielen Zutaten wie Zucker, Mehl, Hefe, warme Milch, Zitronat und Orangeat, Rosinen, gehackte Mandeln und etwas Rindertalg zur Abrundung. Als Leckermäulchen naschte ich von dem Teig zwischendurch sehr gerne! Neben dem Butterstollen wurde auch ein leckerer Mohnstollen gebacken. Hier durfte ich die Mohnmühle betätigen und achtete darauf, dass auch genug Rosinen im Teig waren.

    Beim Keksebacken verschwanden so manche nicht so gut geratene Exemplare, sie waren in meinem Magen gut aufgehoben. Doch hier gab es für Fritzchen Konkurrenz durch seine fünf Geschwisterchen.

    Übrigens: Erst im Alter von 20 Jahren bekam ich mit einem Bruder „Unterstützung“ in diesem vom weiblichen Geschlecht dominierten Haushalt. Als ich ihn mit dem Kinderwagen im Dorf herumfuhr, konnte ich mich der vielen Gratulanten nicht erwehren. Mein Hinweis, das sei mein Bruder, wurde mit Grinsen beantwortet, man nahm mir die Wahrheit schlichtweg nicht ab. Dass ich ihn auch wickeln durfte, war eine Nebenerscheinung unserer sehr beschäftigten Mutter. Bei meinen eigenen Kindern konnte ich so auf frühere Erfahrungen zurückgreifen. Einen Vorteil hatte dieser weiblich dominierte Haushalt, denn der Umgang mit dem weiblichen Geschlecht fiel mir auch im Berufsleben sehr leicht, ich wusste, wie die Frauen „ticken“ können!

    Doch weiter bei den Festvorbereitungen. Auch beim Ausstechen mit den verschiedensten Förmchen nahm die Teigmasse ab, wenn ich mich nicht beobachtet fand. Aus dem Fleischwolf drang durch die dünne Vorsatzform ein langer Teigstrang, den Muttern zu leckeren Schmalzkeksen formte. In der Form blieb viel Teig zurück, den ich gerne als weiteren Lohn verzehrte. Es blieb nicht nur bei Stollen und diesen Keksen, denn auch aus Kokosraspeln und anderen Zutaten wurden von Muttern lecker schmeckende Köstlichkeiten gezaubert.

    Einige Tage vor dem Weihnachtsfest wurde das Wohnzimmer für uns Kinder zur Tabuzone erklärt. Das Aufstellen und Schmücken des Weihnachtsbaumes konnten wir nur durch das Schlüsselloch verfolgen, Geschenke konnten wir leider nicht entdecken.  Apropos Geschenke: Als Lausbub mit meinen diversen Eskapaden hoffte ich dennoch Weihnachten auf Vergebung, denn ohne Geschenke war es doch kein Fest der Liebe, oder höre ich da andere Meinungen? 

    Wir Kinder konnten den Zeitpunkt kaum erwarten, ins Zimmer mit dem geschmückten Baum und den daran echten brennenden Bienenwachskerzen eintreten zu dürfen. Zur Feier des Tages hatten wir alle unsere besten Kleidungsstücke anzuziehen und zuerst der vorgetragenen Weihnachtsgeschichte zu lauschen. Der Kachelofen knisterte, wir wünschten uns alle ein FROHES FEST und erst dann ging es an das Auspacken der Geschenke. Glänzende Augen allerseits, auch ich war trotz meiner Lausbubengeschichten bedacht worden.

    Jeder hatte einen bunten Teller mit süßen Leckereien, die bei mir (!) bald der Ergänzung bedurften. Glücklicherweise gab es traditionell Kartoffelsalat und Wiener Würstchen, das machte Muttern nicht so viel Arbeit bei den vielen Mäulern. Ich konnte so etwas Festes in meinen Magen bringen ob der vielen dort drinnen befindlichen Süßigkeiten.

    Zu den Festtagen gab es entweder selbstaufgezogene Gans oder Puter. Auf unserem Grundstück tummelten sich übrigens etwa 1.000 Hühner, 10 Gänse, 20 Enten, 10 Puter und 30 Angorakaninchen neben 20 Katzen, die die Anzahl der Mäuse in erträgliche Maße reduzierten.

    Auch aus meiner kindlichen Sicht wieder eine gelungene Weihnacht

    Zu Silvester gab es bei uns immer Berliner satt. Über 100 Stück wurden jedes Jahr in Palmin-Fett goldgelb gebacken Auch hier durfte ich den Hefeteig auflockern und so mancher Finger voller Teig verschwand in meinem kleinen Mäulchen.  Es gab sie mit Puderzucker, Zucker oder ohne Umhüllung. Gefüllt wurden sie von mir mit selbstgemachter Marmelade, einer wurde jedoch heimlich mit Senf gefüllt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Während der Herstellung verschwanden übrigens mindestens 10 noch warme Berliner in Fritzchens Leckermäulchen. 

   Zum Jahreswechsel gab es dann immer Karpfen blau, aber der war gekauft worden! Da mussten nicht nur wir Kinder höllisch aufpassen wegen der Gräten. Im Radio lauschten wir der Sendung „Gruß von Bord“ und stellten uns die Seeleute aus fernen Ländern vor, wie sie sich mit ihren Lieben daheim und sie auf den Schiffen unterhielten. 

   Wenn ich so heute als 72-jähriger an diese Festtage der Kindheit zurückdenke, so überwiegen trotz besinnlicher und schöner Stunden die Erinnerungen an die vielen Leckereien, die mir sonst in unserer vielköpfigen Flüchtlingsfamilie nicht geboten werden konnten. Wenn ich ehrlich sein soll, so fehlt mir heute der Naschteller mit den vielen leckeren Süßigkeiten! Aber in meiner langjährig Angetrauten habe ich stets eine ganz liebe Süße an meiner Seite, die mich bestens entschädigt. Das Leckermäulchen sollte also vollkommen zufrieden sein.

 

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Der Weihnachtsmann

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