Dorf, Stadt und Land: Ferienzeit und Kinderfest

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Ferienzeit und Kinderfest

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Erstellt von GeZeiten Redaktion am 20.07.2010

Autor dieses Beitrags

Erna Hansen

Haupttext

Ich bin auf dem Lande groß geworden, auch wir freuten uns auf die Ferien. Immer vor den großen Sommerferien war das Kinderfest. So wie es in unserer Zeit auch noch gefeiert wird. Zu diesem Fest wurden wir immer herausgeputzt. Es gab ein neues Kleid, auch neue Schuhe und Haarschleifen, das heißt, wenn die Eltern es auch bezahlen konnten. Wo mehr Kinder waren, musste auch von der größeren Schwester nachgefragt werden. Aber irgendwas Neues wurde gefunden. Die Mütter banden Blumenbügel und für die Jungen Blumenstöcke. Die Kleinen gingen mit unter dem Bügel, zwei größere Mädchen trugen die Bügel. Die Musik voran, so ging es durch das ganze Dorf von einem Ende zum anderen. Morgens wurde das Königspaar vom vergangenen Jahr abgeholt, es wechselte immer. Dann ging es zur Gastwirtschaft, wo die Spiele stattfanden. Die Kindergilde nennt man auch „Vogelschießen“. Die großen Jungen schossen mit dem Luftgewehr auf einen großen hölzernen Vogel. Wir Mädchen hatten einen Fisch, der musste gezielt auf eine Scheibe fallen – oben festgemacht hängend an einem Band. Es war gar nicht so einfach. Ich bin nie Königin geworden. Die Kleinen warfen Murmeln in die Kuhle, jeder Wurf wird gezählt wie viele Punkte es waren. Es waren auch Zuschauer dabei, Eltern oder Großeltern. Drinnen im Saal lagen auf einem Tisch die Preise, die wurden am Nachmittag überreicht. Es waren schöne Preise dabei, kein Kind ging leer aus. Für das Kinderfest wurde in der Gemeinde gesammelt. Die Bürger waren nicht kleinlich. Bis Mittag ging die Zeit der Spiele, dann nach Hause essen, um 14 Uhr wieder weiter. Nun kommen die neuen Kleider an, es soll ja getanzt werden. Die Haare gebürstet und große Schleifen im Haar. Die Tische waren eingedeckt in den Gasträumen, rote Brause und Kuchen mit Sahne vom Bäcker, es war ein großer Spaß! Im Saal packten die Musiker die Instrumente aus, an der einen Seite die Jungen, an der anderen die Mädchen. Wenn die Musik denn loslegte, sprangen die Jungen auf und stürmten über den Saal, sich ein schönes Mädchen zu holen. Die Auswahl war nicht immer passend und zufrieden stellend. Der Geschmack traf nicht immer passend auf beiden Seiten. Die Polonaise war aufregend, die Mütter auch beim Zuschauen. Die Preisverteilung nahm der Lehrer vor, um 18 Uhr gab es Abendessen. Da der Gastwirt auch Kühe hatte, war es bei uns Sitte, es gab frische Milch mit Zwieback und rote Grütze, Auf Kommando wurde der Zwieback mit den Händen zerdrückt. Nach dem Essen wurden noch einige eingeübte Volkstänze aufgeführt. Wir Mädchen hatten alle Blumenkränze im Haar. Um 21 Uhr wurde ein Abendlied gesungen, alle fasten sich an die Hände – müde ging es denn nach Hause, aber nun kamen ja die Ferien. Es holte uns kein Auto alle gingen zu Fuß, zum zweiten Mal, und auch noch der Rundmarsch durchs Dorf. In Urlaub fahren, was war das? Das kannte keiner. Nun kam die Erntezeit, wo die Kinder auch gut zu gebrauchen waren, auf dem Feld. Die Lust war nicht immer so groß. Aber baden in der Au, oder im See, das war auch schon ein Erlebnis. Fing die Schule denn wieder an, war das Aufsatzthema ein „Erlebnis in den Ferien“. Ich erinnere, ich war mit meiner Mutter mit dem Fahrrad nach Schleswig gefahren, die Geschichte habe ich noch. Ein kleiner Freund war mit den Eltern sogar nach Hamburg gefahren mit dem Zug und musste seine Erlebnisse erzählen. Die Kinder hörten gespannt zu. Das nächste Aufsatzthema hieß: Heinrich erzählt von Hamburg.

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Ferien, Kinderfeste

Ort

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