Dorf, Stadt und Land: Muschelfest auf der Wandelbahn

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Muschelfest auf der Wandelbahn

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Erstellt von GeZeiten Redaktion am 12.07.2010

Autor dieses Beitrags

Max Ganzel

Haupttext

Wie so oft saß ich mal wieder auf der langen Holzbank unterhalb des DLRG-Häuschens am Strand. Die Arbeit des Tages war getan. Nur die 32 Fahnen mussten noch bei Sonnenuntergang abgenommen werden.

Wir waren in letzter Zeit eine richtige kleine Clique, so Herren vom Strand und wer weiß, wo sie alle herkamen. Der eine brachte mal ’ne Flasche „Jägermeister“, der andere mal Enzian. Einer hatte mal eine Kiste Bier mit und so wurde viel erzählt und es wurde auch manchmal recht lustig.

Die Fahnen, oh ja, das ließ Heinz S. sich nicht nehmen. Er war zwar etwas gehbehindert mit seiner Prothese, aber es war für ihn eine Ehrensache, solange er Urlaub bei uns machte, die Fahnen abzunehmen.

Eines Tages, wir hatten den 1. September, also es war ein „r“ im Monatsnamen. Der Strand wurde schon etwas leerer und die Tage wurden schon etwas kürzer, als ich mal so die Runde rum fragte, ob wir nicht mal eine Muschel-Party am Strand starten sollten. Bei einem guten Schluck wurde die Sache beschlossen. Am kommenden Samstag sollte das Fest starten.

Nun, ich hatte genug zu tun, alles was wir brauchten zu besorgen. Einen großen Kochtopf aus Aluminium haben wir uns bei Vocki Quedens, Hotel „Vier Jahreszeiten“ ausgeliehen. Der Ofen wurde aus alten Ziegelsteinen, die wir, wenn auch nicht ganz legal, bei einer Baustelle besorgten, ohne Mörtel aufgeschichtet.

Für Brot und Butter musste Erika Buss, eine von der DLRG sorgen. Getränke wollte Papi Isemann mitbringen, natürlich zum Selbstkostenpreis – er war ja damals Bierverleger. Die Herren vom Strand mussten für Brennmaterial sorgen, wovon es ja genug, nämlich Srandholz gab.

Der Sonnabend kam und wir gingen mit wohl 10 bis 15 Personen mit Eimern bewaffnet hinaus ins Watt, Hesen, also Muscheln zu suchen. Die Muschelbänke, wo die besten Muscheln waren, kannte ich und die waren in der Nähe der Klingeltonne und eigentlich nur bei extremem Niedrigwasser zu erreichen.

Zu diesem Zweck hatte ich eine lange Bambusstange, die am Rettungshäuschen hing, zu einem Rechen umfunktioniert. Mit diesem zogen wir nun die dicken und fast sauberen Muscheln aus dem tiefen Wasser. Es waren ja alles große Klumpen.

Jeder musste nun die Muscheln einzeln und nur die kurzen aber breiten Muscheln abpulen, bis wir drei Eimer voll von Muscheln der Güteklasse 1 hatten.

Natürlich wurde auch viel rumgealbert. Es gab auch den einen oder anderen Schluck. Es wurden auch einige Bilder gemacht und die ganze Gruppe ging fröhlich wieder an Land. Dann wurde alles auf dem mitgebrachten Handwagen verstaut und die so typischen Muschelfischer gingen mit allem Krempel die Wandelbahn längs bis zum DLRG-Häuschen.

Einige von den Gästen hatten unter Anleitung der DLRG-Leute ein Rondell aus leer stehenden Strandkörben gemacht, wo in der Mitte die Kochstelle nach Wikingerart gebaut war.

Die Muscheln wurden in einem großen Weidenkorb natürlich im Seewasser solange hin und her geschaukelt, bis sie sauber waren. Inzwischen waren einige dabei, den Ofen anzuheizen, was dann auch nach viel’ klugen Ratschlägen der zahlreichen Menschen klappte, die natürlich neugierig geworden waren. Es qualmte und roch, aber es wurde immer besser, je heißer der Ofen wurde.

So, und nun kam die Wikinger-Zeremonie. Nämlich eine Noch-Jungfrau musste die Weinflasche öffnen, ein Glas davon trinken und dann den Rest in den großen Topf gießen. Natürlich über ihre Hand, so hieß es, denn nur so konnte man sicher sein, dass keine Muschel schlecht war.

Die Sache stellte sich allerdings als sehr schwierig dar, da alle anwesenden Damen nicht glaubwürdig Noch-Jungfrauen waren. Doch unser Bürgermeister, der auch von unserem Tun unterrichtet war, hatte dann die rettende Idee. Seine Enkelin, die gerade eine Lehre bei der Kurverwaltung angefangen hatte, musste ran. Sie war wirklich eine hübsche blonde und der Sache würdige Dame mit allem drum und dran. Unter großem Beifall zelebrierte unsere Jungfrau ihr Ritual.

Ich gab dann noch die Gewürze wie Lorbeer, Nelken, Pfeffer, Knoblauch, einen guten Schuss Tabasco und zuletzt noch eine Flasche Bier in den Topf.

Nachdem das Gebräu kochte und sich ein undefinierbarer Geruch verbreitete, wurde der Topf bis zu drei Vierteln voll mit Muscheln gefüllt. Ein sauberes Tuch darüber und den Deckel fest, oben drauf noch einen schweren kantigen Stein – eine typische Wikingerart.

Die Gäste jubelten und es wurde viel über dies und das erzählt. Ich musste viel über Muscheln und Brauchtum der Insulaner erzählen. Auch wollte einige wissen, was wir  wohl im Winter auf der Insel machten.

Nachdem ich dann noch eine Friesentaufe mit zwei durch Wahl bestimmten Personen durchgeführt hatte und alles beprostet und geknipst war kochten dann auch die Muscheln und ein Duft, der allen die Appetitnerven ordentlich in Wallung brachte, zog sich über den ganzen Strandabschnitt.

Da es ja bei den Wikingern auch kein Essgeschirr gab, so auch bei uns nicht. Es musste jeder seine Muscheln aus dem großen Topf holen, egal  wie er es anstellte. Unter viel’ Rufen - „heiß, puh ha und köstlich“ – sah man bald rund um unsere Kultstätte Leute im Korb sitzen und sich genüsslich amüsieren.

Natürlich hatte ich allen erklärt, dass man das Muschelfleisch mittels einer leeren Muschel, die man wie eine Zange benutzt, herauspult. Und ohne viel zu pulen in den Mund damit und essen. Die leeren Muschelschalen mussten schön ineinander gesteckt werden, damit man sie nicht einzeln wieder aufsammeln musste.

Nachdem der erste Topf leer war und der zweite Topf wieder fertig war, forderte ich alle auf, sich eine, nur die schönste ihrer Muschelschalen zu nehmen und darin gab es nun erst einen Schluck von dem Muschelsud und dann einen Wikingertrunk, den ich vorher aus Kräutern und rotem Genever gemixt hatte.

Die Stimmung wurde immer lebhafter und beim zweiten Kessel Muscheln wagten sich auch die davon zu essen, die zuerst etwas skeptisch waren.

Ja, und so wurde dann langsam ein lustiges Fest aus unserer Muschelparty. Irgendwann holte ich dann mein kleines Akkordeon und es ging ab zur Watten-Strand-Polonaise.

Es war einfach herrlich, wie schön Jung und Alt, Hübsch und Hässlich zusammen das Treiben genossen!

Etwas später dann, es war alles wieder soweit aufgeräumt und es wurde kälter und dunkler, dann sah man meist nur noch Pärchen in den Strandkörben rundherum um das Feuer sitzen.

Am nächsten Tag hing ein großes Plakat über der DLRG-Tür.

 „Vielen Dank für die herrliche Wikinger-Party! Die Strandmännchen“

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Clique, DLRG, Ferien, Freude, Gäste, Muscheln

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