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Erstellt von Lars Ehrich am 26.03.2009 Zuletzt bearbeitet von Sabrina Böhmer am 11.06.2009
Autor ist Werner Schanze (86), Itzehoe
Meine Erinnerung an die Flutkatastrophe 16./17. Februar 1962
An jenem Abend vor der schweren Sturmnacht befand ich mich auf einer vereinsinternen Tagung im Restaurant „Kamin“ Itzehoer Holzkamp. Wegen des Unwetters haben wir dieses Treffen jedoch frühzeitig abgebrochen. Ein Teilnehmer unserer Runde hat mich dann in die Dorfstraße gefahren. Hier lebte ich mit meiner Familie im ersten Stock des Mietshauses von Meyer, Dorfstraße 35. In der Wohnung auf demselben Flur wohnte der Fuhrunternehmer Georg Bischof mit seiner Familie.Es war gut so, dass die Tagung vorzeitig beendet wurde, denn eine Stunde später wäre ich nicht mehr trockenen Fußes in meine Wohnung gelangt. Das Wasser der Stör (ein Sperrwerk gab es zu jener Zeit noch nicht) strömte über die Deichkronen hinweg in die Suder Marsch und weiter über die Bahnschienen in die Dorfstraße. Es dauerte gar nicht lange, da war auch unser Haus vom Wasser umspült. Angetrieben durch den starken Sturm bildeten sich auf dem Wasser kleine Wellenberge.Da unser Haus den Naturgewalten voll ausgesetzt war, hatten wir Hausbewohner die Befürchtung, dass das Mauerwerk des Hauses diesem Druck des Wassers nicht standhalten würde und einzustürzen drohte. Um einen Gegendruck herzustellen, hatten wir die Scheiben zum Keller eingeschlagen, so dass das Wasser diesen sofort überflutete.Die Tür zu unserem Haus hatte unser Hausbesitzer bereits vernagelt. Plötzlich hörten wir lautes Klopfen an der Tür und eine Stimme rief: „Lasst uns rein!“ Wegen der Vernagelung der Tür riefen wir: „Hinten rum!“ Gemeint war damit der Hofeingang des Hauses. Von draußen klang wieder die Stimme des Nachbarn Emil Rathjen, der seine Frau Käthe „huckepack“ durch die Wassermassen schleppte. „Ich kann nicht mehr.“ So öffneten wir die Haustür und ließen die beiden völlig durchnässt herein. Sie berichteten, dass ihre etwas tiefer gelegene Wohnung total unter Wasser stand und sie sich zuletzt nur noch auf den Tisch stellen konnten. Wir haben die Nachbarn dann mit trockener Kleidung und einem Warmgetränk versorgt.Plötzlich war Stromausfall. Da half dann nur noch das Kerzenlicht, dass die Wohnung etwas erleuchtete. Bei einem Blick aus dem Fenster sahen wir die vm Mondschein erleuchtete Dorfstraße, auf der Schienenschwellen auf dem Wasser trieben. An Schlaf war in dieser unvergessenen Nacht wohl kaum zu denken. Wir waren froh, als der Tag wieder anbrach und wir alles soweit heil überstanden hatten.Mein Bruder Günter, der mit seiner Familie in einer Parterre-Wohnung im elterlichen Haus nebenan wohnte, hatte einen größeren Schaden an Einrichtungsgegenstände, Fußböden und Wänden durch das eindringende Wasser erlitten. Unsere Lebensmittel, wie eingemachtes Gemüse aus dem Garten und Kartoffeln, die im Keller des alten Fabrikgebäudes Gruner Druck lagerten, waren allerdings nicht mehr genießbar. Diese Katastrophennacht wird einem wohl ein Leben lang in Erinnerung bleiben.
Alsen unter Wasser.
Flutkatastrophe Sturmflut 1962
1962
Itzehoe
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