Diskussion - die Bundeswehr: Wintersonnenwende

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Wintersonnenwende Schleswig aus der Sicht eines ehemaligen Marinesoldaten

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Erstellt von GeZeiten Redaktion am 17.02.2011
Zuletzt bearbeitet am 17.03.2011

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Wolfgang Siegmund

Haupttext

Dezember 1957 auch so eben vor dem Weihnachtsfest. Unsere Crew war gerade von der fliegertechnischen Ausbildung aus dem Allgäu, Kaufbeuren - Neugablonz zurück nach Kiel - Holtenau zur Marinefliegergruppe zurückgekommen. Wir sollten gleich im Neuen Jahr nach Schleswig. Was, wir sind doch schon in Schleswig-Holstein, was soll denn das nun? Die Stadt Schleswig war uns allen noch nicht bekannt. Wir, aus ganz Deutschland zusammen gekommene 19-21 jährige  Jung wurden also in die Stadt Schleswig, „ Kaserne auf der Freiheit" eingewiesen. Am 13. Januar 1958 Die ersten Marinesoldaten in Schleswig.

Die Fahrt von Kiel mit dem Bus an Fahrdorf vorbei, der Blick über die Schlei, das Panorama von Schleswig zu sehen, einmalig, wunderbar!

Gleich wurde uns die Stadt vertraut. Teile des Heeres waren ja schon länger in Schleswigs Kaserne auf der Freiheit stationiert. Wir spürten wohl schon das Vertrauen der Schleswiger Bürger zu ihren Soldaten. Wir versprachen uns auch gleich gegenseitig,  „hier möchten wir gern bleiben".

Schon am selben Abend Landgang, wie's bei der Marine ja heißt, die Stadt besichtigen. Im Dunkeln immer ein besonderes Erlebnis - und so landeten wir natürlich in der damals berühmt, berüchtigten „Baumhofsbar ". Die Schleihalle hatten wir noch nicht entdeckt, dafür aber die Michaelisstraße mit ihren aneinander gereihten Lokalitäten. Einmalig, mit riesigen Preisen bei Skatturnieren. In den kommenden Jahren war die Michelisstraße meist die letzte Stufe nach einem Peermarkt-Bummel,meist bis in die frühen Morgenstunden.

Allmählich wurde uns die Stadt vertrauter, wir durften in geschlossener Formation durch die Allee oder den noch zu befahrenden Stadtweg in die Museen marschieren. Lernten den Dom kennen und auch die Schleihalle. Aber, nach ein paar Wochen wohl fühlen in Schleswig und intensivem Englischunterricht bei Frau Witt, wurden wir größtenteils versetzt, kommandiert, wie auch immer. Unser Weg führte uns nach Nordschottland (Whiskyland) in die nähere Umgebung von „Nessy“, „HMS Fulmar" unser Flugzeugträger an Land bei Lossiemouth. Hier waren wir nun schon im Bereich der Mitternachtssonne und am nördlichen Ausgang der Nordsee.

Nach einigen Monaten der Schulung an den englischen Jet´s, machten wir noch einen Abstecher nach England in die Midlands und wohnten in der City von Coventry. Dort waren wir, für eine zusätzliche Ausbildung für mehrere Wochen bei der Flugzeugindustrie. In der näheren Umgebung lag die Stadt Strafort an Avon, da haben wir die Geburtsstätte des Dramatikers Shakespeare besucht.

Bald musste, wurde wieder Abschied genommen. Die Zurückverlegung nach Deutschland begann! Es ging heim nach Schleswig!

Hier begann unsere Arbeit an den nach und nach aus England ankommenden Jets

Die Roal Naiy beherrschte noch große Teile des Jageler Flugplatzes. Doch schon bald verlegten sie ihre Einheiten zurück nach England.

Waren wir später irgendwo in Deutschland oder z.B. in Schottland zu Schulungen und man erfuhr, oh sie kommen aus Schleswig! Kam immer als Nächstes die Frage: „ was macht die Schleihalle, steht. sie noch? Was haben wir dafür schöne Stunden erlebt!"

Schon bald mussten wir wieder packen! Der Umzug nach Kropp war vorgesehen.

Die Kasernenanlage in Kropp war fertig gestellt. Diese wurde für die nächsten Jahre unser kaserniertes Zuhause. Die verheirateten Soldaten bezogen so nach und nach fertig gestellte Wohnungen in Schleswig und auch in Kropp. Noch 1960 gab es große Wohnungsbau Gebiete in Schleswig, die zügig bezogen wurden. Ein ständiges Umzugswesen nahm seinen Anfang Die Soldaten mussten ihre Standorte wechseln wie andere ihre Hemden. Die Jahre vergingen wie im Fluge! Am Ende der 80 `ger waren wir wieder ein vereintes Deutschland.!

Alle sind begeistert und feiern diesen Tag riesig und ausgelassen.

Danach!

Erste Anzeichen sind bei der Bundeswehr zu erkennen. Es gibt Reförmchen erst, dann Reformen und immer schneller wird verändert, auf gut deutsch heißt das, es wird abgerüstet!

Die Bundeswehr muss umdenken heißt es, sie müssten sich auf Veränderungen einstellen. Und die Veränderungen geschehen, die Bundeswehr wird kleiner, effizienter. Ganze Regimenter verschwinden. Marineflieger bis auf einige, abgeschafft. Was kommt als Nächstes? Wer denkt an die Gemeinden?

Doch zurück!

Seit Dezember 1976 bin ich versetzt. TerrHeer. VKK 111 meine neue Einheit. Meine Dienststelle Kaserne auf der Freiheit, Standortdienstgruppe.

Diese neue Herausforderung machte mir viel Freude. Hier merkte ich schon sehr bald, wie gut die Verbindungen Stadtbevölkerung - Soldaten war

Die Stadt war stolz auf ihre Soldaten!

2003 - die Kaserne auf der Freiheit hat seit Dezember keinen Standortältesten mehr! Die Kaserne ist leer! Kein Leben mehr in diesem schönen Gelände!

Hoffen wir auf einen neuen Stadtteil von Schleswig, mit Namen „Freiheit"?

Der Standort Schleswig hat aufgehört zu existieren.

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Ort

Schleswig

Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Marineflieger, Reförmchen, Stolz, Versetzung

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