Das Versehrtenwerk: Das Versehrtenwerk (12)

Titel und Untertitel

Das Versehrtenwerk (12) Varieté und Theater

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Ersteller und Datum

Erstellt von GeZeiten Redaktion am 23.07.2009

Autor des Beitrags

Schilderungen von Dr. Werner Kuntze (†)

Haupttext

Es wurden außerdem an jedem Sonnabend und Sonntag von den Soldaten selbst Variete – und Theatervorführungen inszeniert, die damit zweierlei Zwecken dienten:

Einmal nahmen die Vorbereitungen dieser Aufführungen die Beteiligten voll und ganz in Anspruch und hielten sie damit von anderer, vielleicht nicht so nutzbringender Tätigkeit ab. Zum anderen boten diese Aufführungen einer großen Anzahl von Soldaten und Verwundeten Freude und gaben ihnen in dieser Zeit der allgemeinen Auflösung harmlose Entspannung. Diese Aufführungen hatten zum Teil ein recht beachtliches künstlerisches Niveau und unterschieden sich in der Leistung sehr beträchtlich von den späteren der vielen Varieteunternehmen, die damals über Nacht entstanden – Auch hier wurde Eintritt genommen und zwar entsprechend mehr als bei den Kinoveranstaltungen. So entstand im Laufe der Zeit eine recht beachtliche Fürsorgekasse aus Mitteln der Soldaten selbst und wurde wiederum vorwiegend für die Versehrten verwandt. Nach Auflösung der Einheiten war auch die Verwendung dieser Kasse frei. Mit Genehmigung der zuständigen Dienststellen wurde sie dem gemeinnützigen Versehrtenwerk für Zwecke der Versehrtenbetreuung überwiesen. Hinzu kamen noch Geldbeträge, die auf ähnliche Weise entstanden waren. Diese also waren unser Anfangskapital. Mit diesem Gelde sollten wir nun allen finanziellen Anforderungen des Aufbaues unseres Werkes gerecht werden. Es mussten die baren Auslagen für die Herrichtung des Gebäudes: wie Glas, Farbe, Holz etc., gezahlt werden. Es musste das Material, auch wenn es Schrott war, käuflich erworben werden. Die Miete des Gebäudes und die Heizung verbrauchten erhebliche Beträge. Die Kosten für die Verpflegung der Versehrten mussten aufgebracht werden. Der Transport der Einrichtungsgegenstände, des Materials usw. war auch nicht umsonst. So waren also die finanziellen Belastungen unseres Werkes von Anfang an recht erheblich. Dies ist auch der Grund dafür, warum wir auch aus materiellen Gründen zunächst an eine Entlohnung der freiwilligen Helfer nicht denken konnten, selbst wenn sie von morgens bis abends unentwegt im Werke tätig waren. Bezüglich der Versehrten war die Situation allerdings anders. Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie sich ihre Existenz mit ihrer Hände Arbeit verdienen. Dies war eine psychologische Grundregel, aus der Erkenntnis stammend, dass die Überwindung der körperlichen Hemmungen, des Minderwertigkeitsgefühls, möglich war. Dieses Gefühl der Minderwertigkeit aber musste verschwinden, wenn der Versehrte sich selbst den Beweis erbrachte, dass er noch schaffen konnte, und dass er durch seine Arbeit sich selbst erhielt. Wir mussten also langsam dazu übergehen, den Versehrten Lohn zu zahlen. Nun war Voraussetzung dieser Lohnzahlung, dass die Produktion und die damit verbundenen Unkosten diesen Lohn rechtfertigten. Dies war, wie bereits angeführt wurde, zunächst wegen der unrentablen Schrottverarbeitung nicht der Fall.

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Jahr

1947

Ort

Flensburg

Schlagwörter (passend zum Thema des Beitrags)

Versehrtenwerk

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